Fördermittel der Lotteriefonds (Teil2)

FinanzspritzeIm ersten Teil unserer zweiteiligen Serie über die Zuschussmöglichkeiten durch Glücksspielmittel habe ich die Förderprogramme der Lotteriegesellschaften der Länder vorgestellt. Heute werden wir die Fördermöglichkeiten durch die „Aktion Mensch“, „Deutsche Fernsehlotterie“ und Glücksspirale genauer beleuchten. Deren Zuschusssumme addiert sich jedes Jahr auf immerhin 250 Mio Euro!

Die Fördermöglichkeiten der Aktion Mensch, der Deutsche Fernsehlotterie (früher „Ein Platz an der Sonne“) und der Glücksspirale werden häufig als Soziallotterien benannt. Bei den Trägern sozialer Dienste, die einem der großen Wohlfahrtsverbände angehören, sind sie meist sehr gut bekannt. Das liegt daran, dass es die entsprechenden Programme schon seit Jahrzehnten gibt und es den Verbänden ein großes Anliegen ist, ihren Anteil am Fördertopf für die eigenen Mitglieder zu sichern.

Gerade kleinere Träger oder soziale Dienstleister außerhalb der Behindertenhilfe haben nicht selten einen grundsätzlichen Aufklärungsbedarf über diese Fördermöglichkeiten.

Die drei Soziallotterien im Überblick

Die Soziallotterien Aktion Mensch, Deutsche Fernsehlotterie  und Glücksspirale, sind bundesweit tätig und haben fest definierte Ausschreibungsverfahren und Antragswege.

Schwerpunkte der Aktion Mensch:

  • Die Zielgruppen der geförderten Aktivitäten sind auf bestimmte Personenkreise eingeschränkt: Menschen mit Behinderung (aber keine altersbedingte Behinderung wie z. B. Demenz); Kinder- und Jugendliche bis maximal 27 Jahre; Menschen mit besonderen Schwierigkeiten (Wohnungslosigkeit, gewaltgeprägte Lebensumstände, Entlassung aus geschlossener Anstalt)
  • Förderspektrum: Investitionsförderung (Grundstücke, Bauten, Inventar, Nutzfahrzeuge); Starthilfen (z. B. ambulante Dienste); Projektförderung (Kunst, Kultur, Sport, offene Behindertenarbeit); Kleinprojekte zum Thema Inklusion

Schwerpunkte von Deutsche Fernsehlotterie / Deutsches Hilfswerk (DHW):

  • Die Mittel der Deutschen Fernsehlotterie werden über das Deutsche Hilfswerk (DHW) vergeben
  • Hinsichtlich der Zielgruppen gibt es keine so klaren Einschränkungen wie bei der Aktion Mensch, im Durchschnitt gehen aber 80% der Fördermittel an Einrichtungen der Altenhilfe
  • Förderspektrum: Investitionsförderung (Baumaßnahmen und Inventar für Einrichtungen der Altenhilfe, der Gesundheitsvorsorge und ‑nachsorge); soziale Maßnahmen zum Aufbau neuer, auf Dauer angelegter Aufgabengebiete und Modellprojekte; Sonderförderung über das Kuratorium Deutsche Altenhilfe im Bereich Qualifizierung, Beratung und Konzeption in der Altenhilfe

Schwerpunkte der Glücksspirale:

  • Grundsätzliche Zielgruppen: Menschen mit geistigen, körperlichen, seelischen und/oder Sinnesbehinderung; Psychisch kranke sowie suchtkranke Menschen; Kinder und Jugendliche; Alte Menschen; Menschen in besonderen Lebensverhältnissen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten
  • Inhaltliche Schwerpunkte: Ihre Ausgestaltung liegt bei den jeweiligen Dachverbänden und folgt deren förderpolitischer Ausrichtung. Das führt dazu, dass für die Träger des Roten Kreuzes andere Bedingungen gelten können als für die Träger der Arbeiterwohlfahrt oder der Paritäter.

Ohne Verband geht (fast) gar nichts – die Antragstellung

Bei allen Soziallotterien ist auf die fest definierten Prozesse der Antragstellung zu achten. Falls der Antragsteller einem Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege angehört, erfolgt die Antragstellung ausschließlich über die Strukturen des eigenen Verbands. Dazu gibt es auf Landes- oder Regionalebene feste Referenten, welche die Träger bei der Antragstellung beraten und betreuen. Wenn man keinem Spitzenverband angehört, kann man sich bei Aktion Mensch und DHW direkt an die Lotterie wenden. Bei der Glücksspirale ist in diesem Fall eine Förderung ausgeschlossen.

Der große Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass Ihr Verbandsreferent den Antrag erst dann an die nächsten Entscheidungsgremien weiterleitet, wenn er auch Aussicht auf Erfolg hat. Der große Nachteil sind die langen Vorlaufzeiten. In der Regel ist mit neun bis zwölf Monaten, bei Bauprojekten mit einem bis drei Jahren zu rechnen.

Die Antragssituation bei den Verbänden ist sehr unterschiedlich. Sehr hierarchisch strukturierte Institutionen, strukturieren die Antragsmöglichkeiten für ihre Mitglieder stark vor. Stärker basisdemokratisch orientierte Verbände räumen jedem Mitglied die gleichen Antragsmöglichkeiten ein und dies kann zu einem erheblichen Antragsrückstau führen.

Bei allen drei Soziallotterien gelten die folgenden Vorgaben:

Grundsätzlich ist die Förderung durch die Soziallotterien nachrangig, d. h. sie ist nur dann möglich, wenn alle anderen Fördermöglichkeiten durch Bund, Länder, Kommunen und sonstige öffentliche Institutionen (z. B. Sozialversicherungen) ausgeschöpft sind und Eigen- und Kapitalmarktmittel in angemessenem Umfang eingesetzt werden.

  • Es besteht kein Rechtsanspruch auf Förderung
  • Es liegt keine Kombination mit weiteren Lotteriemitteln vor
  • Der Antragsteller ist gemeinnützig und wird nicht von der öffentlichen Hand dominiert

Die wichtigsten Informationsquellen

Das beste Informationsangebot im Internet hat zurzeit die Aktion Mensch. Auf ihren Internetseiten finden sich alle notwendigen Ausschreibungsunterlagen und viele Beispielprojekte. Die Antragstellung erfolgt ausschließlich online über das auf diesen Seiten zur Verfügung gestellte Portal. Das erleichtert die Antragstellung sehr, weil man immer ein aktuelles zentrales Antragsformular hat, das aber von mehreren Personen gleichzeitig bearbeitet werden kann.

Bei der Deutschen Fernsehlotterie erhält man im Bereich Helfen ebenfalls die aktuellen Ausschreibungsbedingungen zum Download und eine Übersicht der geförderten Projekte nach Halbjahren und Bundesländern geordnet sowie das Antragsformular. Eine Online-Antragsstellung ist hier noch nicht möglich. Über die Fördermöglichkeiten durch das Kuratorium Deutscher Altenhilfe informiert die eigene Internetseite des KDA.

Für die Glücksspirale gibt es nur sehr rudimentäre allgemein zugängliche Informationen im Netz. Das liegt daran, dass die Antragstellung hier ausschließlich über die jeweiligen Spitzenverbände läuft und diese den Antragsprozess sehr unterschiedlich gestaltet haben.

Bei allen drei Soziallotterien ist es aber auf jeden Fall empfehlenswert, zusätzliche Informationen von den zuständigen Referenten des eigenen Wohlfahrtsverbands einzuholen. Dort bekommt man unbezahlbare Tipps über aktuelle Tendenzen in der Förderung und Beispiele von erfolgreichen Anträgen. Zudem werden häufig auch Informationsveranstaltungen zu den Förderprogrammen angeboten.

Entwicklungstendenzen bei der Förderung durch Lotteriemittel

Die Einnahmen sowohl im Lotto- und Totoblock als auch bei den Soziallotterien gehen kontinuierlich zurück und damit die grundsätzlich verfügbaren Fördermittel. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen.

Die Aktion Mensch und das Deutsche Hilfswerk sind eine der ganz wenigen Fördermöglichkeiten für Bauprojekte. Dies führt dazu, dass die Mehrheit der Antragsteller sich auf diesen Bereich konzentriert. Als Gegenmaßnahme wurden die Höchstfördersummen für Bauprojekte bereits verringert. Insiderinformationen zufolge freut man sich in den Entscheidungsgremien über jeden Antrag, der nicht mit baulichen Investitionen zusammenhängt.

> Link zum ersten Teil: Fördermittel für Lotteriefonds

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Fotonachweis: Fotalia (c) Jasper Grahl

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