Wer liest eigentlich meinen Förderantrag

Fotolia_58118473_XSDie Formulierung von Förderanträgen ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Es geht darum, unsere Ideen so attraktiv darzustellen, dass der potenzielle Förderer ein möglichst gutes Bild von unserem Vorhaben und von uns als Antragsteller bekommt. Um diese Herausforderung zu meistern, ist es hilfreich, sich vor Augen zu führen, durch welche Hände unser Antrag gehen wird, nachdem wir ihn per Post oder Internet eingeschickt haben.

Angesichts der Vielzahl von Förderinstitutionen gibt es natürlich unterschiedliche Verfahren und Prozesse für die Antragsprüfung. Manchmal sind 10 bis 15 Personen an der Auswahl der geförderten Aktivitäten beteiligt, bei einer kleinen privaten Stiftung kann die Prüfung und Entscheidung aber auch von einer Person allein getroffen werden. Aus meiner Erfahrung lassen sich grundsätzlich drei Typen von Lesern unterscheiden.

Bei allen drei Lesergruppen wollen Sie neben der inhaltlichen Darstellung des Projekts die folgenden Ziele erreichen:

  • Begeisterung für Ihr Vorhaben erzeugen
  • Ihre Kompetenzen nachweisen
  • Ein Vertrauensverhältnis aufbauen
  • Offenheit und Transparenz signalisieren

Die erste Hürde: der Formalist

Seine Aufgabe ist, herauszufinden, ob der Antrag alle formalen Vorgaben der Ausschreibung erfüllt. Er interessiert sich also vor allem für die harten Fakten. Wurden alle Termine eingehalten? Sind die Anlagen und Nachweise aktuell? Hat die richtige Person unterschrieben? Ist das Antragsformular vollständig ausgefüllt? Sind die Mindestanforderungen erfüllt?

Es ist ihm ein Gräuel, wenn er sich dabei durch seitenlange Fließtexte mit kunstvoll verwobenen Satzkonstruktionen kämpfen muss, deren Sinn sich erst nach dreimaligem Durchlesen erschließt.

Führen Sie sich immer vor Augen: Nur die Anträge die vom Formalisten ein grünes Licht bekommen, gehen in die nächste Beurteilungsrunde! 20 bis 50% der Anträge scheitern an dieser Hürde!

Das Konzept unter der Lupe: der Experte

Das ist die Fachfrau oder der Fachmann für den thematischen Schwerpunkt der Ausschreibung. Er prüft, ob das Konzept auch in den Details fachlich schlüssig ist, die Ziele realistisch sind und der Budgetplan nachvollziehbar ist. Wenn er den Eindruck gewinntt, dass man großes persönliches Engagement und Herzblut in das Vorhaben investiert, kann man Pluspunkte sammeln. Er wird sich sicher auch ein Bild davon machen, ob man Ihrer Organisation aufgrund der vorhandenen Erfahrungen und Kompetenzen die Projektumsetzung zutrauen kann. Da er viele Konzepte in begrenzter Zeit bewerten muss, freut er sich über einen leserfreundlichen Text.

Das Finale: der/die Entscheider

Oft gibt es mehrere Entscheider: Ihr Kreis umfasst sowohl Experten als auch honorige Persönlichkeiten, die ihre Aufgabe nicht selten ehrenamtlich ausüben. Das Konzept muss also auch für fachfremde Leser leicht verständlich sein. Sie müssen in einer prägnanten Zusammenfassung deutlich machen, was Ihr Vorhaben von denen der Konkurrenz abhebt.

 

Machen Sie es dem Leser leicht!

 

Alle drei Lesergruppen stehen vor der gleichen Herausforderung: Sie müssen in sehr begrenzter Zeit eine Vielzahl von Anträgen bearbeiten und beurteilen. Machen Sie es Ihren Lesern so leicht wie möglich, die Inhalte zu verarbeiten und die notwendigen Informationen zu finden.

Wenn Sie an Ihren Anträgen arbeiten, sollten Sie versuchen, sich regelmäßig in die Situation der Leser zu versetzen. Gerne lasse ich meine Anträge zuerst von einem am Projekt unbeteiligten Kollegen lesen, der dabei in die Rolle eines Mitarbeiters der Förderinstitution schlüpft.

Sieben Tipps für die lesefreundliche Formulierung von Förderanträgen

  • Strukturieren Sie die Texte mit Absätzen, Zwischenüberschriften und Aufzählungen mit Spiegelstrichen
  • Halten Sie sich an die Vorgaben für den Umfang. Prägnanz und Klarheit sind wichtiger, als die maximal mögliche Zeichenanzahl auszunutzen
  • Formulieren Sie in kurzen, leicht verständlichen Sätzen
  • Formulieren Sie selbstbewusst, kompetent und partnerschaftlich, aber nicht überheblich (Wir schreiben keinen Bettelbrief sondern machen auf Augenhöhe ein überzeugendes Angebot)
  • Lassen Sie das große persönliche Engagement der Beteiligten spüren
  • Nutzen Sie Fachbegriffe sparsam: der Text muss wahrscheinlich auch von Laien gelesen und verstanden werden
  • Rechtschreib- und Grammatikfehler zerstören jeden professionellen Eindruck
 
 
 
Fotonachweis: © Jeanette Dietl – Fotolia.com

 

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