Konzeption und Antragstellung von ERASMUS+ Partnerschaftsprojekte

Letzten Donnerstag war ich in Bonn auf der Veranstaltung „ERASMUS+: Step by Step zum Projekt“ von der Nationalagentur Bildung für Europa. Dabei ging es insbesondere um die Konzeption und die Antragstellung von Partnerschaftsprojekten in den Bereichen Erwachsenenbildung und berufliche Bildung. In diesem Blogartikel fasse ich die wichtigsten Neuigkeiten und Veränderungen zusammen und gebe meine persönliche Einschätzung, wie sich das auf unsere praktische Antragsarbeit auswirken wird.

Im vergangenen Dezember habe ich in meinem Blogartikel „Das neue EU Aktionsprogramm ERASMUS+“ einen ersten Überblick über die wesentlichen Änderungen in der wichtigsten Finanzierungsquelle für internationale Bildungsprojekte in Europa gegeben. Inzwischen hat die Kommission den ersten Aufruf 2014  und  den Programmleitfaden (leider nur in englischer Sprache) veröffentlicht. Dadurch haben sich zahlreiche bisher noch offene Rahmenpunkte konkretisiert.

In Bonn trafen sich knapp 200 Interessierte, um sich speziell über die Partnerschaftsprojekte innerhalb von ERASMUS+ zu informieren. Die wie immer sehr auskunftsfreudigen und hilfsbereiten Mitarbeiter unserer Nationalagentur gaben bei der Veranstaltung einen kompakten Überblick, über die wichtigsten Änderungen und beantworteten die zahlreichen Fragen aus den Bildungsorganisationen.

Die fünf wichtigsten Änderungen  und meine Einschätzung dazu

 

1.) Zusammenfassung der Einzelprogramme

Die vielfältigen Förderaktivitäten aus der letzten Förderperiode mit den Bezeichnungen Partnerschaftsprojekte, Lernpartnerschaften, Multilaterale Projekte, Netzwerke, Innovationstransferprojekte und Innovationsentwicklungsprojekte  werden bei ERASMUS+ unter der Leitaktion 2 (KA2) mit dem Namen „Zusammenarbeit zur Förderung von Innovation und zum Austausch von bewährten Verfahren“ zusammengefasst. Für alle Anträge in dieser Leitaktion gelten nun die identischen Ausschreibungskriterien. Dabei ist sowohl eine kleine zweijährige Partnerschaft zum Erfahrungsaustausch mit drei Partnern möglich, als auch ein großes Innovationsentwicklungsprojekt mit zehn Partnern und dreijähriger Laufzeit.

Die Mitarbeiter der Nationalagentur betonten, dass auch in Zukunft nicht nur hochkomplexe Großprojekte gefördert werden, sondern auch kleinere spezialisierte Partnerschaften gute Chancen haben.

Meine Einschätzung: Durch die formale Zusammenlegung der unterschiedlichen Partnerschaftsarten steigt das inhaltliche Anspruchsniveau insbesondere für kleinere Partnerschaften.

2.) Antragstellung nur noch Online

Die bisherigen Koordinatoren einer Partnerschaft heißen nun durchgängig Konsortialführer. In der Vergangenheit musste man als Koordinator sicher stellen, dass alle Partnerorganisationen gleichzeitig den identischen Antrag mit der Unterschrift der Zeichnungsberechtigten rechtzeitig per Post an ihre Nationalagentur abgeschickt haben. Angesichts unterschiedlicher Mentalitäten und der schwankenden Zuverlässigkeit der nationalen Postdienstleister eine oft sehr nervenaufreibende Aufgabe.

Die gute Nachricht ist, dass das gesamte Antragsverfahren ab diesem Jahr nur  nur noch Online abgewickelt wird.

Alle Partner müssen sich vor der Antragstellung allerdings elektronisch registrieren (Registrierungsseite hier). Danach wird der Antrag dann vom Konsortialführer der Partnerschaft für alle gemeinsam per Internet eingereicht.

Für die Partnerschaftsprojekte ist dieses Jahr der 30. April um 12:00 Uhr (Brüssler Zeit) der Stichtag.

Meine Einschätzung: Das durchgehende Onlineverfahren ist eine begrüßenswerte Vereinfachung.

3.) Alleinverantwortung des Konsortialführers

Nicht nur bei der Antragstellung wächst die Verantwortung des Konsortialführers. Er ist in Zukunft bei allen Partnerschaftsprojekten für die gesamte finanzielle Abwicklung des Projekts für sich und für alle ausländischen Partner zuständig. Wie er die Zusammenarbeit dabei regelt, ist im selbst überlassen.

Er muss gegenüber den europäischen Institutionen für die regelkonforme Verwendung der Gelder durch alle Beteiligten einstehen. In den vergangenen Jahren hatten die ausländischen Partner ihre Budgets in vielen Programmen direkt dezentral von ihrer Nationalagentur erhalten und wurden von dort kontrolliert.

Meine Einschätzung: Der große Vorteil dieses zentralisierten Verfahrens ist, dass nun eine einzige Nationalagentur allein über einen Antrag für allen beteiligten Organisationen entscheidet. Kein Partner wird von der Förderung ausgeschlossen, weil der Fördertopf in seimen Land bereits leer ist. Das ist in der Vergangenheit leider immer wieder vorgekommen.

Auf der anderen Seite steigen der Aufwand und das Risiko für die  Organisation des Konsortialführers. Dadurch dass das Budget nicht mehr auf die verschiedenen Projektträger verteilt wird, steigt das direkte Fördervolumen für die koordinierende Einrichtung. Ab einer Gesamtfördersumme von 60.000 Euro gelten dabei aber strenge Vorgaben in Bezug auf den Nachweis der Kreditwürdigkeit.

Das kann kleinere Träger relativ schnell überfordern. Die müssen dann ggf. das gesamte Projekt vorfinanzieren! 

4.) Fokus auf die Verbreitung der Ergebnisse

Bei der Evaluierung der vergangenen Förderperiode ist die Kommission zum Schluss gekommen, dass der Transfer und die Verbreitung der Ergebnisse bei den durchgeführten Bildungsprogrammen generell zu kurz gekommen ist.

Deswegen fokussieren sich die neue ERAMSUS+ Partnerschaftsprojekte auf das Berufsbildungspersonal. Die Menschen am Arbeitsmarkt (früher PLM) fallen aus der Förderung. Leider sind in diesem Zusammenhang auch die Fördermöglichkeiten für vorbereitende Besuche weggefallen.

Es geht den Programmmachern darum, innovative Konzepte für die einzelnen Bildungsbereiche zu entwickeln und zu verankern. Es sollen nicht nur einzelnen Personen oder Organisationen/Unternehmen profitieren, sondern organisationsübergreifende Bildungssektoren.

Dafür wurden deutlich konkretere Prioritäten definiert und die Ziele einer Partnerschaft müssen stärker quantifiziert werden.

Meine Einschätzung: Die Partnerschaftsprojekte müssen konsequent an den europäischen Prioritäten ausgerichtet werden. Der Transfer der Ergebnisse in die Praxis muss ein wesentlicher Bestandteil der Konzeption sein und nicht nur ein lästiges Anhängsel.

Der Wegfall der Förderung von „Vorbereitenden Besuchen“ ist ein großer Verlust. Das wird insbesondere Organisationen ausbremsen, die sich das erste mal an einem ERASMUS+ Projekt beteiligen möchten.

5.) Verbesserte Finanzierung

Die beste Veränderung ist sicher, dass das Gesamtbudget für alle ERASMUS+ Förderbereiche um  40% steigt. Das betrifft auch den Bereich der Partnerschaften. Die Finanzierung erfolgt nun fast durchgehend über Pauschalen. Nur noch bei außerordentlichen Kosten und beim Mehrbedarf für Menschen mit Behinderung werden die realen Kosten angesetzt.

Dabei kann man sich sein Projekt nun aus sieben Arbeits- und Finanzierungsbausteinen zusammenstellen, wie in folgender Tabelle dargestellt.

ERAMSUS+ Finanzierungsbausteine

Meine Einschätzung: Die Förderchancen steigen durch das erhöhte Budget. Die Kostenpauschalen sind aus meiner Sicht großzügig berechnet und das Abrechnungsverfahren wird konsequent weiter vereinfacht.

Auch bei kleineren Partnerschaftsprojekten hat man erstmals die Möglichkeit nicht nur die Reise- und Vorbereitungskosten, sondern auch einen Teil der Personalkosten für die „intellektuelle Arbeit“ bezuschusst zu bekommen.

Zusammenfassend überwiegen für mich die positiven Veränderungen bei der Weiterentwicklung des ERASMUS+ Programms. Wie immer bei der Einführung einer neuen Programmgeneration gibt es noch zahlreiche Unsicherheiten und ungeklärte Detailfragen. Die Dokumentation der Tagung finden Sie demnächst hier.

Erleichterung beim ersten Programmdurchlauf 2014

Die Mitarbeiter der Nationalagentur in Bonn betonten bei der Konferenz  immer wieder, dass man sich gerade in der ersten Antragsrunde bewusst ist, dass noch nicht alles perfekt laufen kann. Man wird bei Fehlern in den Anträgen auf die Antragsteller zugehen und die Möglichkeit zur Nachbesserung geben.

Beratungsmöglichkeiten zu ERASMUS+

Bei der Nationalagentur Bildung für Europa steht ein kompetentes Beratungsteam per Telefon (Tel.: 0228-107 1608) und Kontaktformular bereit, jeden Antragsteller individuell zu beraten. Bis 17. Februar gibt es die Möglichkeit, eine Projektskizze  zur Erstberatung einzureichen. Aus eigener Erfahrung kann ich diese Möglichkeit nur empfehlen.

Natürlichen beraten wir von Förderlotse potentielle Antragsteller auch selbst.

Zusätzlich bieten wir ein eigenes Onlineseminar an:

EUROPAOnline-Kompaktseminar

EU-Aktionsprogramm ERASMUS+ 2014

 

Finanzierungsmöglichkeiten, Projektkonzeption und Antragstellung für Mobilitäts- und Partnerschaftsprojekte

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