Die Wirkung von gemeinnützigen Aktivitäten – Ein wichtiges Argument für Fördermittelanträge

Im täglichen Fördermittelakquisegeschäft stelle ich fest, dass in immer mehr Förderausschreibungen nach der konkreten Wirkung gefragt wird, die mit einem gemeinnützigen Vorhaben erreicht werden soll. Eine solche Wirkung zu identifizieren, zu beschreiben und zu messen ist nicht immer ganz einfach. Wie soll man beispielweise die Wirkung von Aufklärungsmaßnahmen und Bildungsprojekten richtig messen können?

Das gemeinnützige Analyse- Beratungsunternehmen Phineo gAG hat jetzt ein praxisorientiertes Kursbuch Wirkung veröffentlicht. Eine der Autorinen, Frau Doreen Kubeck stellt sich den Fragen von unserem Fördermittel Blog. (Übrigens: Am Ende des Artikels finden Sie die Möglichkeit, das Kursbuch kostenlos herunter zu laden.)

 

Phineo hat gerade das Kursbuch Wirkung veröffentlicht. Bitte stellen Sie unseren Leserinnen und Lesern Ihr Unternehmen kurz vor.

PHINEO ist ein gemeinnütziges Analyse- und Beratungshaus. Uns gibt es jetzt seit dreieinhalb Jahren. Aktuell arbeiten bei PHINEO 33 engagierte Menschen: PolitologInnen, Volks- und BetriebswirtInnen, WirtschaftswissenschaftlerInnen, PhilosophInnen, Juristen, Sozial- und GeisteswissenschaftlerInnen, Kommunikationsprofis. Was uns alle antreibt, ist, dass wir etwas bewegen wollen!

Wir von PHINEO verstehen uns als Mittler zwischen gemeinnützigen Organisationen und sogenannten Sozialen Investoren. Unter „Soziale Investoren“ verstehen wir z.B. UnternehmerInnen, StifterInnen oder SpenderInnen. Wir möchten erreichen, dass gemeinnützige Organisationen wirkungsorientierter Handeln und Soziale Investoren wirkungsvoller Geben.

Dazu bieten wir eine Reihe von Produkten und Leistungen an, z.B. analysieren wir kostenlos gemeinnützige Projekte auf ihr Wirkungspotenzial hin und vergeben an wirkungsvolle Organisationen ein ebenfalls kostenloses Spendensiegel, das PHINEO Wirkt-Siegel. Dieses Siegel ist gleichzeitig dazu gedacht, GeldgeberInnen eine Orientierung im Dschungel der gemeinnützigen Organisationen zu bieten, wo sie ihr Geld wirksam investieren können.

Mitunter kommen Investoren und Unternehmen auch direkt auf uns zu lassen sich von uns beraten, wie sie eine für sich sinnvolle Spendenstrategie entwickeln können und welche Förderthemen oder Organisationen konkret zu ihnen passen.

Daneben betreiben wir ganz klassische Forschung und schreiben Studien, etwa dazu, wie es um die Wirkungsorientierung bei Förderstiftungen steht (mittelgut) oder wie transparent DAX-Konzerne über ihr gesellschaftliches Engagement berichten (mittelschlecht). Außerdem veröffentlichen wir regelmäßig Praxis-Ratgeber für Unternehmen, Stiftungen und gemeinnützig engagierte Menschen.

Sie sind eine der Autorinnen des „Kursbuch Wirkung“. Wie sind Sie auf das Thema gestoßen?

Wir bei PHINEO beschäftigen uns permanent mit dem Thema Wirkung, es ist der Kern unserer Arbeit, um den sich letztlich alles dreht.

Eines unserer Ziele ist, dass wir gemeinnützige Organisationen dabei unterstützen möchten, noch wirkungsvoller zu arbeiten.

Aus Besuchen und Gesprächen wissen wir, dass sich zwar viele Organisationen mit dem Thema Wirkung auseinandersetzen, aber unsicher sind, wie man das nun konkret in den Arbeitsalltag integriert.

Da es im deutschsprachigen Raum keine umfassende Publikation zu dem Thema gibt, lag die Idee nahe, dass wir unsere Erfahrungen aus inzwischen 600 Organisationsanalysen weitergeben. Herausgekommen ist ein Handbuch, das Schritt für Schritt und praxisnah erklärt, wie wirkungsorientierte Projektarbeit funktioniert und dass man davor keine Angst haben muss, sondern es einen vielmehr voranbringt. Die Rückmeldungen sind bislang durchweg positiv, was uns natürlich sehr freut!

Viele Engagierte im Kultur-, Bildungs-, Umwelt- und Sozialbereich sind beim Thema sehr reserviert. Sie befürchten häufig, dass hier ein betriebswirtschaftliches Denken in den gemeinnützigen Bereich übertragen wird. Häufig höre ich Aussagen wie „Wir engagieren uns mit großem Herzblut für eine gute Sache und jetzt sollen wir auf einmal Kennzahlen wie ein Unternehmen liefern“. Was entgegnen Sie auf solche Vorbehalte?

Der Witz ist: es geht gar nicht um Kennzahlen oder eine „McKinseyisierung“ gemeinnütziger Arbeit. Im Gegenteil!

Dass viele Organisationen dem Thema skeptisch begegnen, liegt daran, dass sich die Diskussion bislang auf Kennzahlen verengt und der „Messaspekt“ in den Vordergrund geschoben wird.

So entsteht der Eindruck, man könnte Organisationen an ein festes Raster anlegen und dann deren Wirkung messen. Wie mit einem Lineal oder einer Waage. Nach dem Muster: Organisation A hat eine Wirkung von 1,8 und Organisation B eine von 3,4, also ist Organisation A die wirksamere und damit bessere der beiden. Das ist natürlich Unsinn.

Wirkung zu erzielen, ist ja zunächst mal Sinn und Ziel gemeinnütziger Arbeit. Egal, ob es um Klimaschutz auf globaler Ebene geht oder darum, dass es im Kiez mehr Kinderspielplätze gibt – jede Organisation, jedes noch so kleine Projekt möchte etwas erreichen und die Gesellschaft voranbringen. Das ist großartig und unbedingt unterstützenswert!

Damit aber am Ende auch eine bestmögliche Wirkung herauskommt, muss man sie bereits am Anfang mitplanen und regelmäßig gucken, ob man noch auf Kurs liegt. Das gilt für die 5-Personen-NPO genauso wie für eine große mit 2.000 Festangestellten. Nur, wenn ich weiß, was ich erreichen will und welche Mittel ich dafür habe, kann ich einschätzen, welche Maßnahmen und Strategien die richtigen sind oder ob ich umsteuern muss.

Das klingt alles naheliegend, und man sollte meinen, dass alle Organisationen so arbeiten. Aber in der Praxis ist es leider anders. Und genau darum geht es uns: dass wir einerseits das Bewusstsein schärfen, dass Wirkung nicht dem Zufall überlassen sein muss. Und dass wir auf der anderen Seite Tools und Hilfen anbieten, wie man Wirkung planen und  analysieren kann.

Wie groß eine Organisation ist, wie finanzstark – das ist völlig egal. Es geht nur darum, ob sie „wirkt“.

Wirkung ist ein Prozess, in dem es darum geht, sich Ziele zu setzen und regelmäßig mit angemessenen Mitteln zu überprüfen, ob man sich diesen Zielen annähert. Dabei geht es weniger um die bloße Kennzahlerfüllung, sondern auch darum, ob eine Organisation sich mit ihren Resultaten und Wirkungen auseinandersetzt, diese reflektiert und welche Rückschlüsse sie daraus zieht. Kurz: ob und wie sie aus Erfolgen und – ganz wichtig! – Fehlern lernt und ihr Angebot aufgrund dieser Erkenntnisse weiterentwickelt.

Viele Organisationen tun dies bereits und oft geht es eher darum, ein bisschen mehr Systematik in die Arbeit zu bringen – quasi das Herzblut zu kanalisieren.

Um welche Fragestellungen muss ich mich grundsätzlich als Non-Profit-Organisation kümmern, wenn ich das Thema Wirkung in meine Arbeit integrieren möchte?

Die wichtigsten Fragen sind im Grunde: Was will ich erreichen? Wie will ich es erreichen? Wie finde ich heraus, ob ich es erreiche und was lerne ich daraus?

Wenn ich Wirkung stärker in meine Arbeit integrieren möchte, muss ich mich zunächst insbesondere damit beschäftigen, was Wirkung für meine Organisation bedeutet und wie meine Organisation wirken soll. Wirkungsziele können ganz unterschiedlicher Natur sein und z.B. Veränderungen im Verhalten, den Fähigkeiten oder auch der Lebenslage der Zielgruppe meinen oder sich auf angestrebte Veränderungen innerhalb einer ganzen Gruppe, eines Stadtteils oder der Gesellschaft beziehen. Es geht nicht darum, jedes Wirkungsziel tatsächlich sofort zu erreichen. Gerade Veränderungen auf gesellschaftlicher Ebene lassen sich schwer, manchmal auch gar nicht erreichen.

„Ziele formulieren“ klingt immer ein wenig banal, aber sie bilden den Rahmen für die gesamte Arbeit. Jede Organisation sollte ihre Wirkungsziele und die Schritte dahin individuell formulieren und in eine Kausalkette bringen: der gesellschaftliche Bedarf A bedingt Maßnahme B unter Einsatz von Ressource C und das führt zur geplanten Wirkung D. Diese Kausalkette nennt man auch „Wirkungslogik“. Wichtig ist, dass man bei der Wirkungslogik regelmäßig prüfen muss, ob die einzelnen Parameter noch stimmen.

Die Wirkungslogik erleichtert nicht nur das eigene Handeln und bildet die Grundlage dafür, um die eigene Wirkung überprüfen zu können. Vielmehr hilft so eine Wirkungslogik auch dabei, dass Dritte nachvollziehen können, warum die Organisation genau das tut, was sie tut und wie Resultate und Wirkungen einzuordnen sind.

Für eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit und ein gewinnbringendes Fundraising sind das unverzichtbare Bausteine.

Bei der Akquise von Fördermitteln müssen in den Anträgen Wirkungsziele und Wirkungsindikatoren beschrieben werden. Die konkrete Wirkungsmessung ist für viele gemeinnützige Aktivitäten aber eine große Herausforderung. Viele Projekte zielen z. B. auf einen  Bewusstseinswandel bei einzelnen Menschen oder gesellschaftlichen Gruppen ab. Wie kann ich für so ein Ziel mit begrenztem Aufwand passende Indikatoren entwickeln?

Indikatoren zu entwickeln heißt, zu überlegen, woran man erkennen würde, dass ein bestimmtes Ziel erreicht wurde. Zunächst sammelt man alle Hinweise und Belege, die einem über den Weg laufen, qualitative wie quantitative. Das können Zahlen sein oder persönliche Eindrücke sowohl von ProjektteilnehmerInnen als auch MitarbeiterInnen. Auch Fragebögen sind gut geeignet. Im nächsten Schritt priorisiert man und konzentriert sich auf ein paar Indikatoren, die am ehesten Aufschluss geben.

Das mit den Indikatoren funktioniert nicht nur bei „harten“ Zielen, sondern auch bei „weichen“, wie bspw. einem „Bewusstseinswandel“, den ich bei der Zielgruppe auslösen möchte. Auch hier kann sich eine lange Liste an möglichen Indikatoren ergeben: Vielleicht erkenne ich einen Bewusstseinswandel bei meiner Zielgruppe daran, dass sie öfter an meinem Angebot teilnimmt, dass jeweilige Thema häufiger in der Gruppe besprochen wird, sich meine Teilnehmer in einer bestimmten Form anders verhalten oder diese sogar zurückmelden, sich aktiv mit dem Thema beschäftigen. Wenn lernschwache Jugendliche, die man für den Berufseinstieg fit zu machen versucht, plötzlich untereinander über Bewerbungsunterlagen reden, könnte das bspw. ein Indikator sein.

Im nächsten Schritt ist dann zu überlegen, mit welchen Mitteln man Informationen bekommen könnte. Lässt sich ein Indikator beispielsweise zählen, beobachten oder durch Befragung erheben? Es gibt keineswegs nur die groß angelegte externe Evaluation, auch Feedbacks von meiner Zielgruppe können mir schon wichtige Hinweise geben, wie etwas läuft oder ob etwas angepasst werden muss. Natürlich hat das dann eine andere Aussagekraft, aber es geht im Wesentlichen darum, Hinweise zu sammeln, ob man sich auf dem richtigen Weg befindet.

Und es geht darum, aus diesen Informationen zu lernen.

Zugegeben, bei der Indikatorenentwicklung und Wirkungsanalyse kommt man um einen gewissen Aufwand nicht herum. Aber es ist machbar und in der Regel benutzt man Indikatoren mehrfach, auch um eine Vergleichbarkeit über die Zeit herzustellen. Im Kursbuch stellen wir verschiedene Instrumente vor, mit denen man Daten mit unterschiedlichem Aufwand erheben kann. Für Einsteiger sehr zu empfehlen!

An welche Zielgruppe wendet sich das Kursbuch Wirkung? Was kann ich an konkreten Arbeitshilfen für die praktische Arbeit erwarten?

Das Kursbuch ist für alle, die Projektarbeit noch wirkungsvoller gestalten können. Insbesondere ist es gedacht für kleine und mittlere gemeinnützige Organisationen, die sich bisher noch wenig mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Während größere Organisationen meist professionell aufgestellt sind und z.B. Evaluationen in Auftrag geben können, fehlen kleineren Organisationen neben den Ressourcen oft konkrete Tipps, wie sie ihre Wirkungen analysieren können. Genau diese liefern wir.

Das Kursbuch stellt Schritt für Schritt vor, wie wirkungsorientierte Projektarbeit funktioniert, von der Bedarfsanalyse und Zielentwicklung über Datenerhebung und -auswertung bis hin zur geschickten Kommunikation der Ergebnisse. Damit das Ganze nicht zu theoretisch bleibt, gibt es viele, viele Praxisbeispiele, Checklisten und Arbeitsvorlagen. Diese lassen sich an die jeweilige Situation anpassen und können unmittelbar eingesetzt werden. Außerdem haben wir versucht, das vielleicht etwas trockene Thema durch eine einladende Gestaltung aufzulockern.

Wie und wo kann ich das Kursbuch beziehen?

Das Kursbuch und die Arbeitshilfen sind kostenlos und können heruntergeladen werden unter www.kursbuch-wirkung.de. Haptische Menschen können gern auch ein kostenloses Print-Exemplar bestellen.

Liebe Frau Kubek, herzlichen Dank für das Gespräch.

 

 

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