Die Erwartungen des Förderers an Ihren Vorschlag

Beim Einwerben von Antragsmitteln gibt es einige sehr entscheidende Unterschiede gegenüber der Gewinnung von Spenden- und Sponsoringgeldern. Insbesondere unterscheiden sich die Motivation und die Erwartungshaltung der Förderer deutlich von denen der Spender. Auch sind andere rechtliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.

Der Förderer erwarten ein maßgeschneidertes Angebot

Antragsmittel werden nicht von Einzelpersonen vergeben, sondern von Institutionen. Das sind beispielsweise die kommunale Verwaltung einer Stadt, eine Förderstiftung wie die Robert Bosch Stiftung, eine Lotterie wie die Aktion Mensch oder ein Unternehmensfonds wie der Generali Zukunftsfonds. Diese Institutionen vergeben Ihre Mittel ausschließlich, um damit eigene Ziele zu erreichen. Beispielsweise möchte die örtliche Kommune die Lebensqualität der Einwohner verbessern, die Robert Bosch Stiftung sich für die internationale Völkerverständigung einsetzen, die Aktion Mensch die Inklusion von Menschen mit Behinderung verbessern und der Generali Zukunftsfonds das zivilgesellschaftliche Engagement insbesondere der Generation 50plus stärken.

Tipp: Schreiben Sie keine Serienbriefe

Es hilft also nichts, wenn Sie aus einem Adressverzeichnis alle irgendwie in Frage kommenden Förderer heraussuchen und mit einem Bettelbrief beglücken. Sie handeln sich dadurch nicht nur massenhaft Absagen ein, sondern hinterlassen auch einen unprofessionellen Eindruck.

Förderinstitutionen haben eine genaue Vorstellung, was und wen sie fördern möchten. Sie erwarten von Ihnen und Ihrer Organisation, dass Sie sich mit diesen Vorstellungen auseinander setzen und – wenn eine Zusammenarbeit wirklich Sinn macht – ein passendes Angebot machen.

Überblick über den Markt der Antragsmittel

Wenn wir von Antragsmitteln sprechen, verwenden wir folgende Definition:

  • Antragsmittel sind freiwillige Leistungen (es besteht kein Gesetzesanspruch, der Rechtsweg ist ausgeschlossen)
  • Die Art und Weise der Antragstellung und Vergabe wird von der Förderinstitution selbst vorgegeben. Das betrifft beispielsweise den Antragsweg, den Umfang und die Form der Anträge, Antragstermine, Auswahlverfahren.
  • Die Mittel dürfen vom Geförderten ausschließlich zweckgebunden eingesetzt werden.
  • Die Gegenleistung des Geförderten liegt in der Erfüllung der Fördererziele.

Antragsmittel können dabei in sechs verschiedenen Formen vergeben werden:

  • Zuwendungen im Rahmen der öffentlichen Haushaltsplanung
  • Fördermittel im Rahmen von Förderausschreibungen
  • Weitergeleitete Spenden etwa von Förderfonds
  • Förderwettbewerbe und -preise
  • Kredite (von Hausbank, Landesbanken, KfW, kirchlichen Banken, etc.)
  • Beteiligungen (beispielweise durch soziale Investmentfonds oder Crowdfunding)

Außer bei den Krediten und Beteiligungen gelten noch zwei weitere Kriterien:

  • Die Förderinstitution fördert eindeutig festgelegte Zwecke (beispielsweise die Schaffung neuer Arbeitsplätze, die Entwicklung von Innovationen, die Behebung einer sozialen Notlage)
  • Die Zuwendungen müssen nicht zurückgezahlt werden. In diesem Fall spricht man auch von Fördermitteln, Fördergeldern, Zuwendungen oder Zuschüssen.

Jährliches Fördervolumen für gemeinnützige Arbeit: 25 bis 30 Millarden Euro

Leider gibt es keine offizielle Statistik über das Gesamtvolumen aller öffentlichen und privaten Fördermittel für gemeinnützige Organisationen in Deutschland. Wenn man aber einige Zahlen überschlägt, wie z. B. 3 Mrd. Euro von den Förderstiftungen, 3 Mrd. Euro aus dem Europäischen Fonds, über 2 Mrd. Euro Zweckerträge aus dem staatlich regulierten Glücksspiel, und einen Anteil der freiwilligen Leistungen an den öffentlichen Haushalten von etwa 10%, kommt man bei einer vorsichtigen Schätzung auf ein jährliches Volumen an Fördermitteln von 25 bis 30 Mrd. Euro. Das Potential in diesem Bereich übersteigt das der Spenden und Sponsoringbeiträge also um ein Mehrfaches!

Die Förderinstitution als Investor

Zu einer Zusammenarbeit zwischen einer Förderinstitution und Ihnen kann es dann kommen, wenn beide Seiten von der Beziehung profitieren. Dazu muss man sich die unterschiedlichen Sichtweisen vor Augen führen. Der Förderer agiert ähnlich einem Investor. Er möchte sein Geld so anlegen, dass es optimalen Ertrag bringt. Der Ertrag ist in diesem Fall aber keine Dividende oder Kursgewinn, sondern die soziale, gesellschaftliche, wirtschaftliche oder politische Wirkung, die durch das geförderte Vorhaben erreicht wird.

Antragsmittelvergabe als Dreiecksbeziehung

Man kann sich den Prozess Antragsmittelvergabe als Beziehungsnetzwerk veranschaulichen:

beziehungsdreieck - Kopie

 

Sie als Antragsteller (dargestellt im linken Kästchen) möchten eine bestimmte Aktivität (Kreis) durchführen, z. B. eine Freizeitmaßnahme für Jugendliche mit Behinderung. Damit verfolgen Sie zunächst einmal die Ziele Ihrer eigenen Organisation. Sie sind vielleicht regionaler Träger der offenen Behindertenarbeit und möchten mit der Maßnahme Ihr Programm attraktiver gestalten, neue Kundengruppen ansprechen und das vorhandene Personal besser auslasten.

Um einen passenden Förderer (rechtes Kästchen) zu finden, müssen Sie eine Institution suchen, welche die gleiche Zielgruppe (unteres Rechteck) wie Sie hat, in diesem Fall junge Menschen mit Behinderung. Darüber hinaus müssen die Wirkungen Ihrer Maßnahme zu den Zielen des Förderers passen, z. B. eine Verbesserung des Freizeitangebots.

Aus Ihrer Sicht suchen Sie einen Mittelgeber, der Sie bei Ihrem Vorhaben unterstützt. Aus Sicht der Förderinstitution übernehmen Sie aber die Rolle eines Dienstleisters, welcher den Förderer dabei unterstützt, seine Ziele zu erreichen.

Erfolgsgeheimnis Perspektivenwechsel

Ein Förderprojekt geht weit über das nüchterne Verhältnis zwischen Zahlungsgeber und Zahlungsempfänger hinaus, wie wir es z. B. bei der Vergabe von Krediten durch unsere Hausbank kennen. Eine Förderinstitution hat ihre eigene Perspektive auf Ihr Projekt und darauf müssen Sie sich bei der gesamten Kommunikation mit einem potenziellen Förderpartner einstellen. Dabei müssen Sie die folgenden Fragen des Förderpartners überzeugend beantworten können:

Kann ich dem Antragsteller grundsätzlich mein Geld anvertrauen?
Erfüllt das Vorhaben meine eigenen Zielen und Zwecken?
Besteht ein nachvollziehbarer Bedarf an dem zu fördernden Angebot?
Werden realistische Ziele verfolgt?
Traue ich dem Antragsteller die konkrete Umsetzung wirklich zu?
Wie stark engagiert sich der Antragsteller, wie viel Risiko übernimmt er selbst?
Wie transparent ist seine Arbeitsweise?
Werde ich als Kooperationspartner angesehen, oder sieht man mich allein als Geldgeber?
Passt der Antragsteller hinsichtlich der Denk- und Arbeitsweise, der Wertvorstellungen und der Außenwirkung zu mir?
Was sind die möglichen Risiken einer Zusammenarbeit?

Tipp: Holen Sie sich Feedback von Außenstehenden

Wenn man lange Zeit und mit viel Herzblut an seinem Projekt arbeitet, ist dieser Wechsel in die Perspektive des Förderers nicht immer einfach. Eine besonders große Herausforderung ist es, die entscheidenden Argumente auf den Punkt zu bringen und die Förderinstitution nicht mit zu vielen Informationen zu überfrachten.

Daher empfehlen wir Ihnen, bei der Fertigstellung von Projektkonzeption und der Antragstellung einen Kollegen um Hilfe zu bitten, der inhaltlich nicht oder möglichst wenig involviert ist. Er soll beim Durchlesen bewusst die Position eines potenziellen Geldgebers einnehmen und aus dieser Sicht die von Ihnen ausgearbeiteten Informationen bewerten. So können Sie einer Betriebsblindheit vorbeugen.

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