Neue Förderrichtlinien der Soziallotterien (Teil 1): „Deutsche Fernsehlotterie“

deutsche fernsehlotterie logoDie sogenannten Fernsehlotterien zählen seit vielen Jahrzehnten zu den wichtigsten Förderquellen für gemeinnützige Sozialarbeit in Deutschland. Die Aktion Mensch hat letztes Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum gefeiert, bei der Stiftung Deutsches Hilfswerk (DHW), als Förderinstitution hinter der Deutschen Fernsehlotterie, ist es nächstes Jahr so weit. Die Glücksspirale ist seit 1970 aktiv. Da die drei Glücksspielorganisationen mindestens 30 % ihrer Einnahmen an gemeinnützige Organisationen ausschütten, können hier jedes Jahr eine Vielzahl von gemeinnützigen Projekten gefördert werden.

Jährliches Fördervolumen der Fernsehlotterien 209 Millionen Euro

Leider stagnieren die Einnahmen der Lotterien seit einigen Jahren und die Fördersummen gehen zurück. Aber das Fördervolumen ist immer noch eindrucksvoll: Bei der Deutschen Fernsehlotterie profitierten im Jahr 2014 252 soziale Projekte und Einrichtungen von einer Fördergesamtsumme von 45,5 Mio. Euro, bei der Aktion Mensch wurden 7 933 Anträge mit 143,2 Mio. Euro beschieden. Die Glücksspirale reichte 2013 19 Mio. Euro an die Wohlfahrtsverbände weiter. Das DHW veröffentlicht auf seinen Seiten eine Landkarte der geförderten Projekte, die Aktion Mensch stellt Beispielprojekte vor. Damit bekommt man einen guten Eindruck, was alles gefördert werden kann:

Arbeitsteilung bei den Förderschwerpunkten

Aktion Mensch und Deutsche Fernsehlotterie werden häufig auch als Soziallotterien bezeichnet, da sie ihre Förderschwerpunkte in diesem Bereich haben. Bei der Glücksspirale wird die Verbandsarbeit auch in den Bereichen Umwelt, Denkmalschutz und Sport gefördert. Die Soziallotterien haben sich die Förderschwerpunkte aufgeteilt.

Die Aktion Mensch fördert vor allem Projekte der Behindertenhilfe, zu kleineren Anteilen auch Projekte der Jugendhilfe und für Menschen in sozialen Schwierigkeiten (Wohnungslosigkeit, gewaltgeprägtes Umfeld, Entlassung aus geschlossenen Einrichtungen).

Schwerpunkt des DHW sind primär Einrichtungen und Projekte aus der Altenhilfe, zusätzlich auch Vorhaben für Kinder, Jugendliche und Familien sowie zur Gesundheitsförderung (soweit diese nicht gesetzlich regelfinanziert sind).

Die Gelder der Glücksspirale werden über die Mitgliedsverbände der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege BAGFW – Diakonie, Caritas, AWO, DRK, Paritätischer, ZWST – weiter verteilt. Als Antragsteller kommen bei den Soziallotterien nur frei gemeinnützige Organisationen infrage. Öffentliche Einrichtungen oder von der öffentlichen Hand dominierte Träger sind von der Förderung ausgeschlossen. Bei Aktion Mensch und Deutscher Fernsehlotterie muss man übrigens kein Mitglied eines Wohlfahrtsverbandes sein, um einen Förderantrag stellen zu können.

Neue Förderrichtlinien mit neuen Zielgruppen und Querschnittszielen

Die Förderbedingungen der Soziallotterien werden immer wieder an gesellschaftliche, politische und fachliche Veränderungen angepasst. Dadurch ergeben sich neue Finanzierungsmöglichkeiten. Die Aktion Mensch hat ihre Förderrichtlinie zum 1. Januar 2016 aktualisiert, das Deutsche Hilfswerk zum 27. Oktober 2015. Dabei wurden sowohl Förderschwerpunkte mit neuen Zielgruppen und fachlichen Vorgaben verändert, als auch die konkreten Förderbedingungen angepasst:

Präzisere Vorgaben bei der Deutschen Fernsehlotterie

Die Überarbeitung der Förderrichtlinie beim Deutschen Hilfswerk dient vor allem dazu, die Definition der Förderschwerpunkte und der Förderbedingungen für potenzielle Antragsteller klarer und anschaulicher zu machen. Viele Kriterien die schon länger gelten, aber nirgends genau beschrieben waren, sind nun einfacher nachzulesen. Neben den generellen Förderrichtlinien gibt es nun konkrete Förderkriterien, zum Beispiel für die Bereiche:

Die Rahmenbedingungen wurden ebenfalls konkretisiert, z. B. für den Bereich der Eigenmittel und Eigenleistungen. Hier wird nun ehrenamtliches Engagement als Zeit- und Sachspende bei sozialen Maßnahmen bis zur anteiligen Höhe von insgesamt 10 % und maximal 5 000 Euro anerkannt.

Von der Bauförderung zur Quartiersentwicklung

Die Deutsche Fernsehlotterie war über viele Jahre der wichtigste Förderer von Neubau- und Renovierungsprojekten in der Altenpflege. Von diesem Schwerpunkt möchte sich das Hilfswerk seit einigen Jahren weiterentwickeln. Modernisierungen werden nur noch bezuschusst im Rahmen von Auflagen aus den Bereichen Heimmindestbauverordnung, Wohnbau- und Beteiligungsgesetz, Brandschutz, Gesundheits- und Hygienevorschriften und Anpassung an anerkannte Standards für die stationäre Pflege.

Das größere Interesse der Soziallotterie liegt im Bereich der Quartiersentwicklung. Hier sind zusätzliche Anträge sehr gern gesehen. Die inhaltlichen Ansprüche an solche Vorhaben sind allerdings nicht zu unterschätzen. Voraussetzung ist dafür eine genauerer Analyse der Ausgangssituation. Clevere Antragstellung nutzen für die Erstellung einer solchen Analyse die Förderung durch das Kuratorium Deutsche Altenhilfe KDA. Die überarbeiteten Förderbedingungen des KDA werden wir im dritten Teil dieses Beitrags vorstellen.

Die Förderhöchstsummen bleiben unverändert

Die Förderhöchstsummen für die Projekte sind je nach Förderbereich unterschiedlich, betragen aber maximal 300.000 Euro im Bau-Investitions- und 250.000 Euro im Projektbereich.

DHW-Kleinstmaßnahmen

Für die Förderung von sogenannten Kleinstmaßnahmen richtet das Deutsche Hilfswerk einen eigenen Sonderfonds von 1,05 Mio. Euro ein. Dabei geht es um Projekte mit maximalen Gesamtkosten von 25 000 Euro (bei 20 % Eigenanteil). Für solche Vorhaben gilt ein beschleunigtes Antrags- und Prüfungsverfahren. Kleinstprojekte können in allen Förderbereichen des Deutschen Hilfswerks beantragt werden.

Projektförderung für die Zielgruppe Flüchtlinge und Asylsuchende

Beide Soziallotterien haben angesichts der Flüchtlingssituation die Zielgruppen der Förderung erweitert. Das Deutsche Hilfswerk hat dazu eigene Förderkriterien erlassen. Dabei werden soziale Maßnahmen in vier Bereichen gefördert:

  • Beratung und Begleitung von Asylsuchenden und Flüchtlingen
  • Integration und Teilhabe durch die Begegnung mit Bewohnern vor Ort
  • Abbau von Zugangsbarrieren bei Bildung und beruflicher Integration
  • Förderung des freiwilligen Engagements/Ehrenamtes

Die maximale Fördersumme für solche Projekte beträgt 250 000 Euro.

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Beschleunigte Antragsprüfung – Förderbescheid innerhalb von Wochen

Der große Nachteil der Soziallotterien ist, dass die Entscheidungsfristen meist sehr lang sind. Häufig muss man 9 bis 12 Monate auf einen Förderbescheid warten. Angesichts der akuten Notsituation im Flüchtlingsbereich gibt es aber nun ein beschleunigtes Prüfungsverfahren. Hier erfolgt die Prüfung und Freigabe in der Regel innerhalb von 6 bis 8 Wochen. In Einzelfällen ist auch schon innerhalb von 2 Wochen entschieden worden.

Individuelle Beratung zu den Förderprogrammen

Wenn Ihre Organisation einem Wohlfahrtsverband angehört, gibt es dort einen festen Ansprechpartner, der die Antragstellung der Mitglieder koordiniert und inhaltlich berät. Wenn Sie keinem Wohlfahrtsverband angehören, werden Sie durch die Lotterien direkt beraten. Auch die Agentur Förderlotse bietet Ihnen eine entsprechende Projektberatung an und hilft bei der Ausarbeitung der Anträge.

Wichtiges Förderkriterium: Maßnahmenbeginn

Bei allen Förderprogrammen ist zu beachten: Projekte, die vor Antragstellung bzw. Bewilligung begonnen haben, können nicht gefördert werden. Ein vorzeitiger Maßnahmenbeginn ist leider nicht möglich.

Im zweiten Teil unseres Beitrag stellen wir die Veränderungen bei der Aktion Mensch im Detail vor. Der dritte Teil konzentriert sich auf die Fördermöglichkeiten durch das Kuratorium Deutsche Altenhilfe KDA.

 

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