Gezielte Recherche von Fördermitteln – Die Nadel im Heuhaufen

Jetzt finden iconNach vorsichtigen Schätzungen werden in Deutschland jährlich etwa 25 bis 30 Milliarden Euro als Fördermittel für gemeinnützige Aktivitäten zur Verfügung gestellt. Diese Mittel werde über tausende von unterschiedlichen Programmen und Institutionen vergeben. Es ist nicht einfach, sich in diesem Förderdschungel zu orientieren. In diesem Artikel schildere ich ihnen, wie wir bei dieser Arbeit vorgehen.

Bevor sie sich in die Recherche stürzen, macht es Sinn die zentralen Informationen zu dem Vorhaben zusammenzutragen, für welches sie nach Fördermitteln suchen. Die meisten Förderprogramme haben sehr dezidierte Förderbedingungen und werden sie nur unterstützen, wenn sie diese auch erfüllen können.

Folgende Informationen benötigen sie für eine gezielte Recherche:

  • Wer sind die Zielgruppen des Vorhabens? (z.B. Flüchtlinge, Kinder, Arbeitslose, benachteiligte Schüler)
  • Was ist das zentrale Thema des Vorhabens? (z.B. sprachliche Integration, Aufbau von sozialen Kompetenzen, politische Bildung, konkreter Klimaschutz, Verbesserung des lokalen Kulturangebots)
  • Wann soll das Vorhaben starten, wie lange soll es dauern, bis wann wird es beendet? (die meisten Förderer unterstützen ausschließlich noch nicht begonnene Aktivitäten und helfen zeitlich begrenzt)
  • Wo wird das Vorhaben stattfinden und welches Einzugsgebiet wird abgedeckt? (70% der Förderquellen in Deutschland fördern regional beschränkt)
  • Welche Kosten entstehen? (Viele Förderer konzentrieren sich auf bestimmte Kostenarten, wie Investitionskosten, Sachkosten, projektspezifische Kosten, Personalkosten)
  • In welcher Größenordnung entstehen Kosten und welcher Anteil soll gefördert werden? (Die Fördersummen der einzelnen Förderinstitutionen sind sehr unterschiedlich und können von einigen hundert Euro bis zu Millionenbeträge variieren)
  • Welchen Anteil können Sie mit eigenen Mitteln oder mit weiteren Drittmitteln abdecken? (Die Zuschussgeber erwarten in der Regel immer einen Eigenanteil, dieser liegt häufig zwischen 25 und 50 %)
  • Können Sie ggf. auf Kooperationspartner zurückgreifen? (Bestimmte Förderprogramme können nur mit einem bestimmten Rechtsstatus beantragt werden, z.B. von der Kommune, dem Landkreis)

Nachdem wir diese Daten haben, muss entschieden werden, welche Art der externen Unterstützung benötigt wird, um das Projekt erfolgreich umsetzen zu können. Dabei sollte kritisch hinterfragt werden, welche internen und externen Finanzierungsalternativen es gibt. Viele Förderinstitutionen setzen voraus, dass alle alternativen Finanzierungsmöglichkeiten im Vorfeld überprüft wurden.

Recherche der geeigneten Förderquellen in drei Phasen:

Phase 1: Überprüfung der organisationseigenen Informationsquellen

Leider werden häufig die bereits in der eigenen Organisation vorhandenen Beziehungen und Erfahrungen bei der Suche nach Fördermöglichkeiten übersehen. Dabei sind die Chancen bei Institutionen, welchen man bekannt ist, generell besser, als wenn man einen Kontakt in Form der „Kaltakquise“ erst aufbauen muss. Am Anfang der Suche sollten systematisch folgende Personenkreise bezüglich bestehender Kontakte und Erfahrungen angefragt werden:

  • Vorstände, Aufsichtsräte, Kuratoren
  • Mentoren, Sponsoren, Förderer und Spender
  • eigene Mitarbeiter (haupt- und ehrenamtliche)

Search ButtonPhase 2: Regionale Informationsquellen

Etwa siebzig Prozent aller Antragsmittel werden regional oder lokal ausgeschrieben. Vor diesem Hintergrund sollten die folgenden Ansprechpartner genutzt werden:

  • Kollegen aus benachbarten Social-Profit-Organisationen, Verbänden und Unternehmen
  • kommunale Ansprechpartner (Bürgermeister, Referenten, Behörden)
  • Finanzinstitute
  • Pfarr- und Kirchengemeinden, Dekanate, Diözesen, Landeskirchen
  • lokale Medien und deren Archive
  • regionale Interessengruppen
  • Dachorganisationen der Wohlfahrtsverbände
  • regionale Bündnisse und Gruppierungen
  • regionale Fördermittelverzeichnisse und Datenbanken
  • Internetseiten von geförderten Institutionen (Bereich: Unserer Förderer)

Phase 3: Überregionale Informationsquellen– Fachmedien (Fachzeitschriften, Pressemappen, Newsletter, Internetportale)

  • Berufs- und Fachverbände
  • Stiftungsverbände
  • Förderdatenbanken
  • Internetseiten der bekannten Förderinstitutionen und -programme

Förderdatenbanken im Internet

stiftungsindex.de - Stiftungsverzeichnis des Bundesverbands Deutscher Stiftungen

stiftungsindex.de – Stiftungsverzeichnis des Bundesverbands Deutscher Stiftungen

Im Internet gib es eine Vielzahl von Förderdatenbanken, Recherchetools und Zusammenstellungen von Förderquellen. Alle Internetlinks, die wir in den letzten Jahren gefunden und genutzt haben finden sie auf unserer Seite Förder-Internetverzeichnis, die zu den beliebtesten Seiten auf diesem Blog gehört.

Die wichtigsten Informationsquellen für die Fördermittelrecherche im Internet sind

Onlinerecherche in zwei Schritten

Um effizient recherchieren zu können, benötigen sie einen Zeitraum in dem sie ungestört arbeiten können. Die Recherche erfordert ihre volle Aufmerksamkeit und durch Störungen kann man immer wieder von vorne anfangen. Also E-Mail-Programm und Handy stumm schalten, Telefon auf die Mailbox umleiten und die Kollegen informieren, dass man in den nächsten 60 Minuten bitte nicht gestört werden möchte. In den Datenbanken machen wir dann eine erste Grobrecherche, um grundsätzlich passende Quellen zu finden. In der Regel verwende ich dazu das Formular der erweiterten Suche.

Dabei muss man häufig unterschiedlichen Suchbegriffe ausprobieren. Während eine Förderstiftungen z.B. als Zielgruppe „Behinderte“ definiert hat, benutzt eine andere den Begriff „Menschen mit Behinderung“ oder „Menschen mit Handicap“ oder sogar „Zivilgeschädigte“.

Bei der Recherche ist es hilfreich, eine Logliste zu führen: Welche Datenbanken habe ich mit welchen Kombinationen von Suchbegriffen abgefragt und was waren die Ergebnisse. Speichern sie die Links zu den passenden Förderquellen in den Favoriten ihres Browsers oder als Hyperlink in einem elektronischen Dokument. Ich nutze dazu gerne eine Excelliste.

Nachdem die Informationen in vielen Förderdatenbanken nicht ausreichend sind, um endgültig zu entscheiden, ob die Förderquelle passt, recherchiere ich über Internetsuchmaschinen wie Google oder Bing nachdem Namen der Förderinstitution. Wenn der Förderer eine eigene Internetseite hat, schaue ich mir insbesondere die Bereiche mit den Förderausschreibungen, geförderten Projekten und den Jahresberichten an. Darüber kann man einen guten Eindruck bekommen, was und wie der Zuschussgeber aktiv ist. Aber nicht alle Institutionen haben eine eigene Internetseite. Wenn man über die Suchmaschinen aber auf zahlreiche aktuelle Presseartikel stößt, ist das ggf. ein gutes Zeichen, dass es Unterstützungsmöglichkeiten gibt.

Abschluss der Recherche: Direkter Kontakt

Daten im Internet und in Förderverzeichnissen sind nicht immer aktuell. Aus diesem Grund würde ich vor einer Antragstellung, insbesondere wenn ich den potentiellen Förderer noch nicht kennen, immer zuerst anrufen. Dabei bekommt man in der Regel gute Infos, ob und wie sich eine Beantragung lohnt. Zudem kann man sein eigenes Engagement zeigen und damit die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit legen.

button on rechercheRegistrieren sie sich zu unserem kostenlosen Webinar zum Thema Fördermittelrecherche im Internet – LIVE am 19. Januar 2017 oder als Videoaufzeichnung. Alle weiteren Infos finden Sie hier.

2 Responses to Gezielte Recherche von Fördermitteln – Die Nadel im Heuhaufen

  1. Bi Bahnemission-Elbtal e. V. 29. April 2017 at 6:31 #

    Sehr geehrter Herr Schmotz,

    vielen Dank für Ihre Anregungen und umfangreichen Tipps in Ihrem Beitrag. Gerade für uns als kleiner gemeinnütziger Verein ist es schwer, die Nadel im Häuhaufen zu finden. Diese helfen uns sehr weiter.

  2. Torsten Schmotz 1. Juni 2017 at 16:17 #

    Vielen Dank für das nette FeedbacK!

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