Fördermittel für die Jugendhilfe – Lohnt sich das?

Experte für Jugendhilfeprojekte Martin Maier

Heute freue ich mich über dass erste Interview auf unserem Fördermittel Blog. Im Mittelpunkt steht dabei das Thema Fördermittel für Projekte und Aktivitäten in der Jugendhilfe.

Als Fachmann für das Thema begrüße ich herzlich meinen Kollegen Martin Maier.

Seit vielen Jahren berät Martin gemeinnützige Einrichtungen und Träger bei der Projektentwicklung und Fördermittelakquise.

Davor war er mehrere Jahre für die Koordination eines Förderprogramms der Baden-Württemberg Stiftung verantwortlich. Zusätzlich ist Martin  Lehrbeauftragter der Freien Universität Berlin mit den Themengebieten Projektmanagement und Projektförderung im Non-Profit-Sektor.

Martin, ist es für Einrichtungen der Jugendhilfe überhaupt lohnenswert, die ohnehin knappe Zeit der Mitarbeiter auch noch ins Schreiben von Projektanträgen zu investieren?

Ich berate ja Non-Profit-Organisationen aus ganz verschiedenen Feldern und behaupte mal: Es gibt keinen anderen Bereich für den eine Projektförderung bessere Möglichkeiten bietet.

Es existieren viele Förderlinien speziell für den Jugendhilfebereich, wie etwa bei der Aktion Mensch – aber auch viele aktuelle Förderschwerpunkte liegen sehr nahe an den Themen, die die Jugendhilfe gerade beschäftigen. Z. B. Bildung, Freiwilligenengagement, Inklusion und vieles mehr. Damit bieten sich  für Jugendhilfeträger hervorragende Gelegenheiten um öffentlich wahrgenommen zu werden und sich fachlich zu profilieren.

Du hast selbst mehrere Jahre für einen Jugendverband Projektförderung betrieben. Hand aufs Herz: Hat sich das auch finanziell gelohnt?

Ich kann mich noch gut an meinen ersten erfolgreichen Projektantrag erinnern: Die stolze Fördersumme von damals 12.000,- DM hat mir für ein Projekt zur Gewaltprävention finanzielle Möglichkeiten gegeben, die ich sonst nie und nimmer gehabt hätte.

Andererseits hat dann unser erstes ESF-finanziertes Projekt die ganze Organisation so durcheinander gewirbelt, dass die Beschäftigung mit Verwaltungsvorschriften und Verwendungsnachweisen vermutlich mehr Arbeitszeit verschlungen hat, als es finanziell gebracht hat. Alle, die Erfahrungen mit ESF-Förderung haben, können sicher Ähnliches berichten.

Später wurde von meinem Arbeitgeber eigens eine 25%-Stelle mit dem Auftrag geschaffen, Kollegen bei Projektentwicklung und Antragstellung zu beraten. In drei Jahren konnten wir über 1 Million Fördergelder akquirieren, wodurch sich die Investition sicher weit bezahlt gemacht hat.

In drei Jahren konnten wir über 1 Million Fördergelder akquirieren

Über drei Jahre hast Du im Auftrag einer großen Stiftung ein Förderprogramm koordiniert – was hast Du dabei für Deine heutige Beratungsarbeit gelernt?

Fördergeber betrachten einen Projektantrag mit anderen Augen als ein Antragsteller – wenn man immer mal wieder diese Brille aufsetzt, kann man viel an seinem Antrag optimieren.

Das fängt schon bei der aufmerksamen Lektüre der Ausschreibungsunterlagen an. Wenn in einem Projektantrag zentrale Rahmenbedingungen eines Förderprogramms (wie z. B. Laufzeit oder Förderhöchstsumme) überhaupt nicht beachtet werden, entsteht leicht der Eindruck, dass hier nur jemand an einer schnellen Finanzierung der eigenen Projektidee interessiert ist und nicht die Zusammenarbeit bei einem gemeinsamen inhaltlichen Anliegen sucht.

Natürlich ist es legitim, eine Projektidee, die ich schon seit einiger Zeit verfolge, bei einem aktuellen Förderprogramm ins Rennen zu schicken – vorausgesetzt Ziele und Rahmenbedingungen von Förderprogramm und Projektidee passen grundsätzlich zusammen! Andernfalls fühlt sich ein Fördergeber zu Recht als billige Melkkuh missbraucht.

Der Fördergeber darf sich nicht als billige Melkkuh missbraucht fühlen

Du engagierst Dich als Mitglied im Stiftungsrat einer kirchlichen Jugendstiftung – auf was achtet Ihr bei der Auswahl von Förderprojekten?

Zwei Dinge fallen mir bei der Begutachtung von Projektanträgen immer wieder auf: Antragsteller lassen gerne mal die Darstellung eines klaren Bedarfs für ein Projektvorhaben unter den Tisch fallen, anstatt deutlich zu machen, inwiefern dieses Projekt von der Zielgruppe gewünscht oder von fachlich zuständigen Stellen befürwortet wird.

Nicht selten bleiben auch die Angaben zum konkreten „Output“ eines Projekts etwas nebulös, so dass auch nach mehrfacher Lektüre eines Antrags nicht wirklich klar wird, ob die geplante Maßnahme denn nun mit 8 oder 40 Jugendlichen und an einem oder an sechs Wochenenden stattfinden soll.

Beides sind aber Aspekte, die ein potentieller Geldgeber natürlich ganz genau unter die Lupe nimmt.

Antragsteller lassen gerne mal die Darstellung eines klaren Bedarfs für ein Projektvorhaben unter den Tisch fallen

Hast Du für unsere Leser des Fördermittel-Blogs noch einen guten Tipp, wo sie aktuelle Förderinfos für Projekte der Jugendhilfe finden können?

Ein sehr empfehlenswertes, meiner Erfahrung nach eher wenig bekanntes Infoportal ist die „Finanzierungsdatenbank Baden-Württemberg“  – insbesondere für den Bereich Jugendbildung. Anders als der Name vermuten lässt, finden sich hier Förderquellen auch von Bundes- und europäischer Ebene! Ich schätze die vorbildlich aufbereiteten Informationen mit guter Suchfunktion. Und als zusätzlichen Service gibt’s einen kostenlosen monatlichen Newsletter.

Martin herzlichen Dank für die vielen wertvollen Infos! Wie und wo können unsere Leser bei Bedarf Kontakt zu Dir aufnehmen? Gib

Vielen Dank für die Einladung zum Fördermittel Blog. Meine Kontaktdaten finden sich auf meiner Homepage: http://www.martin-maier.info/.

Martin Maier ist übrigens am 5. November 2012 Referent für das Seminar „Fördermittel für die Jugendhilfe“ welches in Stuttgart statt findet. Weitere Infos unter: http://www.foerder-lotse.de/Foerdermittel_Jugendhilfe.html[hr]

 
Foto: Matin Maier

 

 

 

 

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