Fördermittel für Entwicklungsinitiativen – Engagement Global

BFC_1129_a © Barbara FrommannIn Deutschland gibt es eine große Anzahl von Aktivitäten und Projekte rund um die Entwicklungszusammenarbeit. Für die Finanzierung dieser wichtigen Arbeit gibt es zahlreiche private und öffentliche Zuschüsse. Einer der wichtigsten Förder- und Beratungsinstitutionen dabei ist Engagement Global in Bonn.

Ich freue mich sehr, dass Miriam Schwarz, Projektleiterin Partnermanagement in einem Interview auf unserem Blog ihre Arbeit und die konkreten Fördermöglichkeiten vorstellt.

T. Schmotz: Stellen Sie unseren Leser bitte kurz vor was sich hinter „Engagement Global“ verbirgt. Was sind Ihre Ziele und Aufgabenschwerpunkte dieser Servicestelle?

M. Schwarz: Engagement Global gGmbH – Service für Entwicklungsinitiativen vereint Programme und Initiativen, die das Engagement der Bevölkerung für die Entwicklungspolitik stärken. Die Programme sind sehr unterschiedlich und reichen von Förderprogrammen für Auslandsprojekte, die Vereine in Deutschland beantragen können, über Lernprogramme wie „weltwärts – Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst“ bis hin zu Partnerschaften zwischen Kommunen in der Einen Welt. Es sind über 20 Initiativen und Programme, das alles hier im Detail zu erläutern, geht leider nicht. Wichtig ist aber, dass die verschiedenen Personenkreise alle bei Engagement Global Information und Beratung erhalten, und bei einigen Programmen auch öffentliche Gelder beantragen können.

T. Schmotz: Wie sind Sie persönlich beim Thema Entwicklungszusammenarbeit gelandet?

M. Schwarz: Ich selber habe schon nach meinem Abitur einen Freiwilligendienst in einem chilenischen Kinderheim absolviert. Das war mein erster Kontakt zur  Entwicklungszusammenarbeit. Durch das Studium der Ethnologie hat sich mein Interesse an diesem Themengebiet gefestigt, und so bin ich auch beruflich in diesem Bereich geblieben. Zunächst habe ich bei einer Entsendeorganisation für Freiwilligendienste gearbeitet, dann beim weltwärts-Sekretariat (heute: weltwärts-Koordinierungsstelle), und nun bin ich seit Januar 2012 in der Mitmachzentrale der Engagement Global beschäftigt.

T. Schmotz: Was ist Ihre Aufgabe als Projektleiterin Partnermanagement?

M. Schwarengagement_global_logoz: Engagement Global möchte im Auftrag des BMZ das Interesse an entwicklungspolitischen Fragen erhöhen. Das klingt etwas trocken, bedeutet aber, dass wir versuchen, mehr Menschen für die Entwicklungspolitik zu begeistern. Dafür sprechen wir auch solche Zielgruppen an, die sich bisher noch nicht mit Entwicklungspolitik beschäftigt haben. Meine Aufgabe ist es daher, diese neuen Zielgruppen zu finden, anzusprechen, und für unser Thema zu begeistern. Natürlich ist auch der bestehende Kontakt zu Partnern aus der Zivilgesellschaft, den Kommunen oder aus Wirtschaft und Stiftungen wichtig und wird generell gepflegt. Das gehört also auch zu meinen Aufgaben.

Dafür sprechen wir auch solche Zielgruppen an, die sich bisher noch nicht mit Entwicklungspolitik beschäftigt haben.

T. Schmotz: Für welche Organisationen bieten Sie Förderprogramme an? Wer kann sich an Sie wenden?

M. Schwarz: Das hängt von den einzelnen Förderprogrammen ab. Bei den Förderungen für Auslandsprojekte können sich alle so genannten „privaten Träger“ beteiligen, das sind eingetragene Vereine oder rechtsfähige Stiftungen mit Sitz in Deutschland. Die Förderung für Inlandsarbeit (Förderprogramm Entwicklungspolitische Bildungs- und Informationsarbeit, FEB) können gemeinnützige Organisationen beantragen, wobei hier auch Museen, Bibliotheken oder ähnliche Einrichtungen Zugang zu dieser Förderung haben.

Zuschüsse für kleinere Projekte der Bildungsarbeit in Deutschland hingegen können beim Aktionsgruppenprogramm (AGP) auch von Initiativen oder so genannten Aktionsgruppen, die nicht als Verein eingetragen sind, beantragt werden. Schließlich gibt es seit kurzem auch für Kommunen und kommunale Spitzenverbände eine finanzielle Unterstützung, wenn diese Projekte mit ihren Partnerkommunen in Entwicklungs- und Schwellenländern durchführen wollen.

Das ganze Spektrum ist also sehr vielfältig und facettenreich. Zudem kann sich auch jeder an uns wenden, der sich persönlich engagieren möchte oder z.B. eine Referentin für eine Schulveranstaltung sucht. Wir beraten nicht nur zu Fördermöglichkeiten, sondern allgemein zum Engagement für die Entwicklungszusammenarbeit  und -politik.

Zudem kann sich auch jeder an uns wenden, der sich persönlich engagieren möchte oder z.B. eine Referentin für eine Schulveranstaltung sucht.

T. Schmotz: Welches Förderprogramm eignet sich für welches Vorhaben?

BFC_1460_a+ © Barbara FrommannM. Schwarz: Zunächst einmal gibt es die Unterscheidung in Auslandsprojektvorhaben, die also in den Entwicklungs- und Schwellenländern stattfinden, und solche Projekte, die eine Wirkung im Inland erzielen sollen. Inhaltlich muss es natürlich auch passen. Hier gibt es zu jedem einzelnen Programm viel zu sagen, ich will es aber mal an einem Beispiel erläutern:

Bei den Auslandsprojekten werden z.B. grundsätzlich nur Struktur bildende Projekte bewilligt, in denen also etwas aufgebaut wird, wie beispielsweise eine Gesundheitsstation im ländlichen Raum oder eine Grundschule. Laufende Kosten, wie Lehrergehälter, werden nur in Form einer Anschubfinanzierung gefördert, können aber nicht der Hauptinhalt eines Projektantrags sein. Überhaupt müssen bei den Projekten immer auch die Folgekosten gesichert sein, sonst kann keine Förderung bewilligt werden. Das soll verhindern, dass Schulen gebaut werden, die nach ein paar Jahren wieder brach liegen. Nachhaltigkeit ist hier das Stichwort.

Überhaupt müssen bei den Projekten immer auch die Folgekosten gesichert sein, sonst kann keine Förderung bewilligt werden.

T. Schmotz: Viele Menschen schrecken vor dem Aufwand der Antragstellung zurück. Wie unterstützen Sie insbesondere kleine und „neue“ Organisationen? Wie könnten die ersten Schritte aussehen?

M. Schwarz: Zunächst einmal beraten wir in der Mitmachzentrale die kleineren oder noch jungen Organisationen zu den Fördermöglichkeiten – übrigens nicht nur zu unseren eigenen Förderungen, sondern wir schauen auch über den Tellerrand und geben Hinweise und Informationen, welche externen Förderungen vielleicht auch in Frage kämen.

Wenn ein Antrag bei einem unserer Programme dann bevorsteht, sind die Fachabteilungen der einzelnen Förderprogramme die richtigen Ansprechpartner. Sie helfen mit den richtigen Formularen, unterstützen die Organisationen und bieten auch Seminare an, in denen grundlegende Hilfen gegeben werden. So bietet z.B. bengo, als die Beratungsstelle für die Auslandsprojektförderung, regelmäßig Seminare an, sowohl für die Antragstellung, als auch für die Abrechnung im Nachhinein, also den Verwendungsnachweis.

T. Schmotz: Leider können nicht alle Anfragen und Anträge berücksichtigt werden. Was sind die häufigsten Gründe, dass Sie einen Förderantrag ablehnen müssen?

M. Schwarz: Das ist bei den einzelnen Förderprogrammen unterschiedlich. Nehmen wir z.B. das schon genannte FEB-Programm: Neben formalen Ablehnungsgründen, dass z.B. die Gemeinnützigkeit fehlt oder der Antrag nicht fristgerecht eingereicht wurde, werden in der Regel sehr viele gute Ideen und Projekte eingereicht, die Fördermittel jedoch sind begrenzt. Inhaltlich ist die entwicklungspolitische Fragestellung eines Projekts wichtig, also findet z.B. ein Perspektivwechsel statt oder liegt der Fokus eher auf einer kulturellen Veranstaltung. Auch Nachhaltigkeit ist ein Kriterium. Ein Projekt kann eine gute Idee sein, aber nur punktuell wirken. Geförderte Projekte müssen immer eine nachhaltige Wirkung erzielen.

Es werden in der Regel sehr viele gute Ideen und Projekte eingereicht, die Fördermittel jedoch sind begrenzt.

Zudem findet sowohl bei FEB als auch bei  den bengo-Anträgen die tatsächliche Bewilligung gar nicht bei uns statt, sondern liegt im BMZ.

Im Allgemeinen kann man aber sagen, dass häufig einfach nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen. Es beantragen immer mehr Organisationen für ihre Projekte Mittel als im Endeffekt in den einzelnen Fördertöpfen enthalten ist. Auf der einen Seite zeigt es das große Engagement der Zivilgesellschaft und ist demnach eine Art „gutes Zeichen“. Auf der anderen Seite ist es natürlich sehr, sehr schade, dass wir nicht allen eine positive Rückmeldung geben können und z.T. auch sehr schöne und interessante Projekte nicht finanzieren können.

T. Schmotz: Welche Förderprogramme und Beratungsangebote außerhalb von Engagement Global können Sie noch empfehlen?

M. Schwarz: Da gibt es natürlich sehr viele. Der Finanzierungsratgeber der Arbeitsgemeinschaft der Eine Welt Landesnetzwerke (agl) ist sehr hilfreich, um Finanzierungen für Bildungsarbeit in Deutschland für jedes Bundesland zu finden. Gerne weisen wir auch auf die Stiftungssuche des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen hin, bei denen sich Initiativen, Vereine oder z.T. auch Privatpersonen eine passende Stiftung für ihr Vorhaben suchen können. Die anderen staatlichen Freiwilligendienste vom BMFSFJ oder dem Auswärtigem Amt werden auch bei uns häufig angefragt. Aber auch auf sonstige übergeordnete Dachverbände oder Organisationen wie den AKLHÜ (Arbeitskreis Lernen und Helfen in Übersee e.V.) oder VENRO weisen wir häufiger hin.

T. Schmotz: Was war in den letzten 12 Monaten das inhaltlich spannendste Projekt, das Sie unterstützen konnten?

M. Schwarz: Das können und wollen wir so nicht sagen. Es gibt einfach zu viele Projekte von so vielen unterschiedlichen Trägern, dass wir keines herausheben wollen. Alle zivilgesellschaftlichen Träger machen eine tolle Arbeit, die wir gerne unterstützen.

T. Schmotz: Frau Schwarz wir bedanken uns sehr herzlich für die Zeit, die Sie sich genommen haben.

 

Weiterführende Internetlinks aus dem Interview:

Engagement Global http://www.engagement-global.de

BENGO http://bengo.engagement-global.de/

Arbeitsgemeinschaft der Eine Welt Landesnetzwerke (agl) http://www.agl-einewelt.de/

 

Copyrigth Fotos: Copyright Engagement Global, Foto: Barbara Frommann

 

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