Wie geht man vor, wenn man konkret Fördermittel einwerben möchte? In diesem Artikel stelle ich Ihnen die fünf aufeinander aufbauende Schritte vor, die sie dabei berücksichtigen müssen.
Die fünf Schritte der FördermittelakquiseErster Schritt: Konzeption der Maßnahme, die gefördert werden soll
Potenzielle Förderer verlangen eine saubere Bedarfsanalyse und darauf aufbauend eine klare Eingrenzung der Zielgruppen und Ziele. Auf dieser Basis wird der zur Umsetzung notwendige organisatorische, personelle und finanzielle Plan dargestellt. Die Grundlage, auf der diese Konzeption steht, ist die Selbstdarstellung als kompetenter, zuverlässiger und vertrauenswürdiger Partner. Je gründlicher Sie das Konzept ausarbeiten, desto mehr Zeit sparen Sie in den folgenden Arbeitsschritten. Wichtig ist auch zu beachten, dass das Einwerben von Fördermitteln Zeit benötigt. Rechnen Sie mit einer Vorlaufzeit von minimal drei Monaten, häufig sind auch sechs bis zwölf Monate und bei großen Bauprojekten auch mehr erforderlich.
Folgende Grafik veranschaulicht die vier Grundelemente eines Konzepts einer Maßnahme, für die Fördermittel eingeworben werden sollen:
[box type="note" size="large" style="rounded"]Praxistipp: Wenn man mit viel Engagement und Herzblut an seinem Vorhaben arbeitet, ist der Wechsel in die Perspektive des Förderers eine große Herausforderung. Besonders schwierig kann es sein, die entscheidenden Argumente auf den Punkt zu bringen und den Förderantrag nicht mit zu vielen Informationen zu überfrachten. Daher empfehle ich, während der Konzept- und Antragsphase regelmäßig einen Kollegen um Hilfe zu bitten, der inhaltlich nicht involviert ist. Er kann dann bewusst die Position eines potenziellen Geldgebers einnehmen und wertvolles Feedback geben. So können Sie einer drohenden Betriebsblindheit vorbeugen.[/box]
Zweiter Schritt: Recherche der Fördermöglichkeiten
Zu Beginn der Recherche sollten die bereits bestehenden Netzwerke und Verbindungen zu Förderinstitutionen überprüft werden. Wenn Sie schon Kontakte haben, ist Ihre Erfolgswahrscheinlichkeit höher als bei der „Kaltakquise“.
Als nächstes können Sie in Förderdatenbanken recherchieren. Im folgenden Kasten finden Sie die wichtigsten Recherchemöglichkeiten im Internet. Anhand Ihres Konzepts haben Sie die passenden Suchbegriffe (Zielgruppen, Themen, regionale Einschränkungen, Termine) definiert.
Bevor Sie sich an das Ausarbeiten eines Antrags machen, empfiehlt es sich immer, einen persönlichen Kontakt zur Förderinstitution aufzunehmen. Durch einen Anruf lassen sich schnell offene Fragen klären und eine erste persönliche Beziehung zu den Mitarbeitern der Förderinstitution aufbauen.
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Dritter Schritt: Antragstellung
Manche Förderinstitutionen halten Formulare mit 20 und mehr Seiten vor, anderen genügt ein formloses Schreiben. Prüfen Sie, in welcher Form und mit welchen Inhalten Sie Ihren Antrag einreichen sollen. Ihr Konzept wird in der Regel schon mindestens 80 Prozent der notwendigen Inhalte liefern. Beim Antragschreiben geht es darum, alles aus dem Konzeptpapier zu streichen, was für den Förderer nicht wichtig ist und die Inhalte zu betonen, welche aus seiner Perspektive im Mittelpunkt stehen.
Der Antragstext muss schnell und einfach weiterverarbeitet werden können: Benutzen Sie kurze Sätze, Aufzählungszeichen, Zwischenüberschriften, Unterstreichungen und eine verständliche und attraktive Sprache. Im ersten Prüfungsschritt wird man den Antrag meist nur querlesen, um sich ein ersten Bild zu machen, ob eine Förderung überhaupt infrage kommt.
[box type="note" size="large" style="rounded"]Praxistipp: Bitte beachten Sie, dass 25 bis 50 Prozent aller Förderanträge aus formellen Gründen abgelehnt werden. Wenn Sie nicht den geforderten rechtlichen Status nachweisen können, Ihr Projekt nicht in der Förderregion liegt, die falsche Person unterschrieben hat oder Sie den Antrag zum falschen Termin einreichen, war Ihre Arbeit völlig umsonst. Lassen Sie die Qualität des Antrags vor dem Versand penibel überprüfen.[/box]
Vierter Schritt: Entscheidung über die Förderung
Nach der Antragstellung wird der Förderantrag im Detail überprüft und entschieden, ob ein Zuschuss vergeben wird. Wenn der Wettbewerb unter den Antragstellern sehr groß ist, wird manchmal nur ein kleiner Bruchteil gefördert. Viele Förderprogramme haben aber auch Förderquoten von 50 oder mehr Prozent. Es gibt auch Förderinstitutionen, welche Ihr Geld nicht loswerden können, oder die aktiv auf potenzielle Förderpartner zugehen.
Auch der Antragsteller muss sich entscheiden, ob er die Förderung wirklich annehmen möchte. Möglicherweise haben sich in der Zeit zwischen Antragstellung und Zusage wichtige Rahmenfaktoren geändert, z. B. durch Personalfluktuation, Ausfall von Projektpartnern oder eine veränderte Finanzierungslage. Besser, Sie lehnen eine Förderung frühzeitig ab, als dass Sie ein Fördervorhaben mit schlechten Ausgangsbedingungen starten.
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Fünfter Schritt: Projektumsetzung
Der Förderer gibt nicht nur sein Geld, sondern hat auch spezifische Erwartungen an den Förderpartner. Er möchte regelmäßig über den Projektverlauf informiert werden, Einfluss auf die Öffentlichkeitsarbeit nehmen und einen ordnungsgemäßen Nachweis über die Mittelverwendung erhalten. Berücksichtigen Sie dies bei der internen Planung und Abwicklung des Förderprojekts. Dann ist eine partnerschaftliche und langfristige Zusammenarbeit möglich.
Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens Förderlotse Torsten Schmotz, Seniorberater, Hochschuldozent und Fachautor, seit 2006 ist das Fördermittel-Fundraising sein beruflicher Schwerpunkt.
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