Anschlussfinanzierung: Projekte strategisch weiterentwickeln

Dezember 12, 2025


Anschlussfinanzierung mit Strategie: Wie Sie Fördermittel gezielt für die Weiterentwicklung Ihres Projekts nutzen

Gemeinnützige Projekte, die durch erfolgreiche Fördermittelgewinnung initiiert werden, erhalten in der Regel eine zeitlich befristete Finanzierung, etwa im Rahmen einer Anschubfinanzierung oder im Zuge einer klar definierten Projektdauer. Doch was passiert, wenn diese Förderung endet? Ohne Anschlussfinanzierung drohen aufgebaute Projektstrukturen zu enden, Angebote müssen eingestellt werden und nicht zuletzt geht wertvolle Wirkung verloren. Dabei gibt es Möglichkeiten, genau das zu verhindern.

Nicht alles muss weitergehen – und das ist auch gut so

Anschlussfinanzierung bedeutet nicht automatisch, dass jedes Projekt auf Dauer gestellt werden soll. Viele Projekte sind bewusst zeitlich begrenzt, um konkrete Ziele zu erreichen, Pilotansätze zu erproben oder einmalige Bedarfe zu decken. Wenn diese Ziele erreicht wurden, darf ein Projekt auch abgeschlossen werden – mit Stolz und klarem Abschlussbericht.

Entscheidend ist: Wird in der Projektlaufzeit ein Bedarf sichtbar, der über die ursprüngliche Zielsetzung hinausgeht? Entsteht ein Anschlussbedarf bei der Zielgruppe, der vorher nicht absehbar war? Oder ergibt sich aus dem Projekt ein wertvoller Ansatz, der in die Breite getragen werden sollte?

Dann kann eine Anschlussfinanzierung sinnvoll und letztendlich auch förderfähig sein. Ich empfehle Ihnen daher: Reflektieren Sie ehrlich, ob Ihr Projekt gezielt weiterentwickelt werden kann. Eine reine Fortschreibung im Sinne von „weiter wie bisher“ reicht in der Regel für neue Förderpartnerschaften nicht aus. Eine kluge Weiterführung jedoch, die Erfahrungen aufgreift, Inhalte schärft und sich an veränderte Rahmenbedingungen anpasst, kann sehr wohl die Grundlage für ein neues förderfähiges Projekt bilden.

In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie Sie strategisch eine Anschlussfinanzierung planen, warum Sie veränderte Bedarfe Ihrer Zielgruppen und des gesellschaftlichen Umfelds als Argument nutzen sollten und weshalb es sich lohnt, den Fördermittelmarkt differenziert zu betrachten.

Der Fördermarkt ist beständig in Bewegung. Bleiben Sie informiert...

In unserem regelmäßigen Newsletter erhalten Sie aktuelle Fördertipps, Hinweise auf neue Blogartikel, Veranstaltungen und Angebote von Förderlotse.

Anschlussfinanzierung beginnt mit der Projektplanung

Viele Organisationen beginnen erst gegen Ende der Projektlaufzeit darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll. Dabei ist die Anschlussfinanzierung keine Notlösung, sondern sollte von Beginn an Teil Ihrer Gesamtstrategie sein. Denn Fördermittelgeber erwarten zunehmend, dass Projekte auch langfristig wirken können und ihre Konzepte weiterentwickeln.

So lautet beispielsweise eine Frage im Antragsformular der Stiftung Deutsches Hilfswerk im Förderbereich Soziale Projekte: "Welche Möglichkeiten zur Fortführung des Projektes nach einer etwaigen Förderung sehen Sie?". Die antragstellende Organisation soll hier Fortführungsoptionen für die Zeit nach dem Ende der Förderung darstellen. Zudem erwartet die Stiftung eine Beschreibung, wie die Projektverantwortlichen frühzeitig auf eine Fortführung des Projekts hinwirken können und wie beispielsweise die Kommune oder andere Stellen der Öffentlichen Hand zur Weiterfinanzierung des Angebots gewonnen werden können.

Ich empfehle Ihnen unabhängig davon, ob ein Förderpartner dies bei der Antragstellung bereits wissen möchte, spätestens mit Projektbeginn einen möglichen Pfad für eine Weiterförderung oder -entwicklung mitzudenken. Dies schafft Planungssicherheit und erleichtert Ihnen zudem später die Argumentation gegenüber potenziellen neuen Partnern.

Was genau ist eine Anschlussfinanzierung?

Anschlussfinanzierung meint die gezielte Weiterförderung eines bestehenden Projekts, sei es zur Verstetigung, temporären Fortführung oder gar Skalierung. Auch thematische Erweiterungen oder qualitative Weiterentwicklungen werden mit darunter verstanden. Im Unterschied zur klassischen Erstförderung steht nicht mehr der Modellcharakter oder die Starthilfe im Mittelpunkt, sondern die nachhaltige Umsetzung bewährter Ansätze.

Anschlussförderungen können dabei sowohl über denselben als auch über neue Fördermittelgeber erfolgen. Wichtig ist, dass das Projekt ein "Update" erfährt und aufzeigt, wie es auf neue Herausforderungen reagiert.

Eine reine Weiterfinanzierung laufender Maßnahmen ist in der Regel nicht möglich, weder beim ursprünglichen Förderpartner noch bei neuen Förderorganisationen. Für die Bewerbung bei einem Fördermittelgeber braucht es quasi eine Art Projekt 2.0: eine klar erkennbare Weiterentwicklung und Abgrenzung zum bisherigen Projekt. Das kann beispielsweise bedeuten, dass neue Zielgruppen einbezogen, innovative Methoden angewandt oder neue Kooperationspartner und Standorte erschlossen werden.

Die meisten Fördermittelgeber legen bewusst Wert darauf, keine reine Fortschreibung bereits geförderter Projekte zu finanzieren. 

Oft ist eine erneute Förderzusage politisch oder haushaltsrechtlich gar nicht möglich, wie beispielsweise im Rahmen öffentlicher Programme, die explizit nur "neue Projekte" fördern dürfen. Auch Stiftungen formulieren in ihren Leitlinien häufig klare Erwartungen: "Wir fördern innovative Ansätze, keine Verstetigung laufender Projekte." Oftmals stehen diese Förderausschlüsse auch direkt in den Richtlinien ("Bereits begonnene Vorhaben oder Dauer- und Regelförderungen sind nicht förderfähig!").

Daher ist es entscheidend, Anschlussprojekte nicht als bloße Weiterführung darzustellen, sondern als konzeptionelle Weiterentwicklung mit neuen Elementen, angepasstem Bedarf und klarer strategischer Ausrichtung.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Dennoch gibt es, wie generell beim Fördermittel-Fundraising, hier natürlich auch einige Ausnahmen. Wenn Sie beispielsweise mit einer privaten Förderstiftung über Jahre gut zusammen arbeiten und sich dies auch aus Sicht der Stifterin oder des Stifters in eine enge Beziehung überführen lässt, kann auch eine langjährige und intensive Förderpartnerschaft daraus resultieren, ohne stets ein neues Projekt anbieten zu müssen. Das Vorgehen ähnelt dann eher dem Großspenden-Fundraising und sollte vom Vorgehen idealerweise auch so behandelt werden.

Projekt 2.0: Flexibel bleiben und überzeugen

Ein entscheidender Punkt für eine erfolgreiche Anschlussfinanzierung ist die Anerkennung veränderter Rahmenbedingungen. Und auch Zielgruppen entwickeln sich weiter. Was vor drei Jahren aktuell war, kann heute an Relevanz verloren haben oder neue Herausforderungen mit sich bringen.

Ein Beispiel: In einem Projekt zur Unterstützung von Geflüchteten stand zunächst Sprachvermittlung und Orientierung im Vordergrund. Drei Jahre später treten Themen wie Arbeitsmarktintegration, psychische Gesundheit oder die Aktivierung einer Peer-Community in den Fokus.

Fördermittelgeber honorieren es, wenn Organisationen solche Entwicklungen erkennen, reflektieren und entsprechend in ihren Folgeanträgen darauf reagieren. Ich empfehle Ihnen, diese Anpassung nicht als Bruch, sondern als Fortschritt zu begreifen und in der Antragstellung gezielt herauszuarbeiten.

Nutzen Sie zur Untermauerung Ihrer Argumentation Daten, Studien, eigene Evaluationsergebnisse oder auch konkrete Einzelfälle, um den veränderten Bedarf überzeugend zu belegen. Zeigen Sie dabei auch, dass Ihre Organisation durch die bisherige Projektarbeit wertvolle Kompetenzen, tragfähige Strukturen und belastbare Netzwerke aufgebaut hat, auf denen Sie nun gezielt aufbauen können.


Unsere aktuellen Weiterbildungen:


Strategien für die Anschlussfinanzierung: Was Sie konkret tun können

Die gute Nachricht ist, es gibt bewährte Strategien, mit denen Sie Anschlussfinanzierung nicht nur sichern, sondern auch als Chance für die Weiterentwicklung Ihres Projekts nutzen können. Eine notwendige "Fortführung" eines erfolgreichen Projekts kann mehrere Gründe und Formen haben. Analysieren Sie die aktuelle Situation und erörtern Sie unter anderem folgende Fragestellungen:

  • Welche neuen Bedarfe sind bei Ihrer Zielgruppe oder im gesellschaftlichen Umfeld entstanden?
  • Gibt es den Bedarf neue Methoden oder Angebotsformate zu entwickeln oder können Sie bestehende sinnvoll weiterentwickeln?
  • Gibt es eine erweiterte oder spezifischere Zielgruppe, auf die das Projekt künftig zugeschnitten werden kann?
  • Lohnt sich die Einbindung neuer Kooperationspartner oder zusätzlicher Standorte, um die Wirkung zu intensivieren oder verbreitern?
  • Wie unterscheidet sich Ihr Anschlussprojekt klar vom bisherigen Angebot – und welche Angebotslücken werden damit künftig geschlossen?

Diese Fragen helfen Ihnen, ein „Projekt 2.0“ zu formulieren, also eine Anschlussoption, die nachvollziehbar weiterentwickelt, sauber abgegrenzt und strategisch neu justiert ist.

Bausteine und Teilprojekte für die Anschlussfinanzierung

Nicht immer braucht es eine Anschlussfinanzierung für das Gesamtprojekt. Ein guter Ansatz kann auch sein, einzelne Bedarfe oder Projektbausteine herauszulösen. 

Bei der Planung der Folgefinanzierung denken viele zunächst an eine durchgehende Förderung für das gesamte Projekt – idealerweise aus einer Hand. Doch nicht immer ist es nötig (oder möglich), das gesamte Vorhaben über eine umfassende Anschlussfinanzierung abzudecken. Gerade bei  vielschichtigen Projekten kann es sinnvoll sein, gezielt einzelne Projektbausteine oder konkrete Finanzierungsbedarfe herauszulösen. So lassen sich passende Fördermöglichkeiten besser finden und es entsteht mehr Flexibilität in der Umsetzung.

Ein Beispiel aus der Praxis:
Ein Träger betreibt seit mehreren Jahren ein soziales Stadtteilzentrum. Die ursprüngliche Anschubfinanzierung für den Aufbau der Quartiersarbeit lief über eine Kombination aus öffentlichen Mitteln, Spenden und den Zuschuss einer Förderstiftung. Vor Ablauf des Förderzeitraums konnten dank der gesammelten Erfahrungswerte und einer intensiven Zielgruppenbeteiligung passende Bedarfe und Ideen für Teilprojekte ermittelt werden.
Statt also alles über eine große Anschlussfinanzierung zu regeln, werden Förderpartner gesucht, die gezielt die einzelnen Themenfelder bedienen. Beispielsweise eine Förderung für Angebote mit Familien, für Nachhaltigkeitsaktionen wie Repair-Cafés oder für Seniorennachmittage.

Damit weitet sich der Zugang zu unterschiedlichen Akteuren des Fördermarkts enorm und einzelne Teilaspekte können als neue Projekte konzipiert werden.

Eine modulare Strategie ist übrigens nicht nur bei der Anschlussfinanzierung ein hilfreicher Ansatz, sondern kann bereits bei der initialen Projektplanung verfolgt werden. Wer von Beginn an einzelne Projektphasen, Themenfelder oder Investitionsblöcke klar strukturiert, schafft sich mehr Spielraum: Fördermittel können gestaffelt beantragt werden, Bedarfe können angepasst an reale Entwicklungen finanziert werden – und nicht alles muss auf einmal durchgeplant und genehmigt sein. Gerade bei langfristigen oder komplexen sozialen Vorhaben zahlt sich diese Flexibilität aus.

Vom Teilprojekt zur strategischen Anschlussfinanzierung

Wer sich mit der künftigen Refinanzierung eines Projekts beschäftigt, stellt sich also automatisch auch die grundsätzliche Frage: Wohin soll sich das Projekt entwickeln? Neben der reinen Fortführung kann es darum gehen, das bestehende Angebot zu vergrößern, also zum Beispiel mehr Menschen zu erreichen, neue Standorte aufzubauen oder zusätzliche Maßnahmen anzubieten. Andererseits kann aber auch die Verbreitung der Wirkung im Mittelpunkt stehen, also etwa durch die Übertragung des Konzepts auf andere Träger, Regionen oder über digitale Formate. Die Antworten auf diese Fragen sind entscheidend für die strategische Ausrichtung der Anschlussfinanzierung. Denn je nachdem, ob Sie Wachstum oder Skalierung anstreben, ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an die Projektstruktur und damit auch an die Argumentation gegenüber Fördermittelgebern.

Wachstum oder Skalierung? Zwei unterschiedliche Wege der Anschlussfinanzierung

Wachstum bedeutet im Kern Mehr vom Gleichen. Das bestehende Projekt wird in seinem Umfang erweitert, zum Beispiel durch zusätzliche Angebote, mehr Personal oder eine geografische Ausweitung. Für die Anschlussfinanzierung heißt das: Es wird eine größere Version des bisherigen Projekts finanziert. Fördermittel werden benötigt, um bestehende Strukturen auszubauen.

Skalierung hingegen verfolgt ein anderes Ziel, nämlich Mehr Wirkung mit neuen Mitteln. Hier geht es nicht in erster Linie darum, das Projekt zu vergrößern, sondern es strategisch zu vervielfältigen, wie beispielsweise durch die Übertragung auf andere Kontexte, Träger oder Zielgruppen. Auch digitale Tools oder Schulungskonzepte können Teil einer Skalierung sein. Die Finanzierung dient dann nicht dem Ausbau des Bestehenden, sondern der Verbreitung des Konzepts.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Projekt zur Prävention von Jugendgewalt hat über drei Jahre hinweg in einem sozialen Brennpunkt erfolgreich mit Schulen, Eltern und Streetworkern gearbeitet. Nun läuft die Förderung aus.

Option 1 – Wachstum:
Das Projekt wird auf zwei weitere Stadtteile ausgeweitet. Dafür braucht es zusätzliches Personal, neue Kooperationsvereinbarungen und ein erhöhtes Budget. Die Anschlussfinanzierung wird genutzt, um das bewährte Konzept geografisch zu vergrößern.

Option 2 – Skalierung:
Statt selbst zu expandieren, entwickelt das Projektteam ein Train-the-Trainer-Programm für andere Träger, stellt Materialien digital bereit und bietet Fortbildungen an. Die Anschlussfinanzierung deckt die Entwicklung und Verbreitung des Ansatzes ab. Die Wirkung wird vervielfältigt, ohne dass die Organisation selbst größer werden muss.

Beide Wege sind förderfähig, sie benötigen eben unterschiedliche strategische Herangehensweisen, Finanzierungslogiken und Kooperationspartner.

Erarbeiten Sie gemeinsam im Team ein wirkungsorientiertes Zukunftsbild Ihres Projekts. Denn je klarer Ihre Strategie, desto überzeugender wird Ihre Argumentation für eine passgenaue Anschlussfinanzierung.

Gemeinsam weiterdenken: Anschlussfinanzierung im Netzwerk entwickeln

Gemeinnützige Arbeit erfolgt nicht im Alleingang und wirkt auch nicht isoliert. Im Laufe eines geförderten Vorhabens entstehen häufig wertvolle Partnerschaften, tragfähige Kooperationen und belastbare Stakeholder-Beziehungen: mit Einrichtungen vor Ort, mit Fachstellen, Kommunen, freien Trägern oder sogar Unternehmen. Diese Netzwerke sind nicht nur wichtig für die Umsetzung, sie können auch der Schlüssel für eine Anschlussfinanzierung sein.

Denn jede beteiligte Organisation bringt eigene Perspektiven, Zugänge zu Fördermitteln und strategische Interessen mit. Warum also nicht gemeinsam überlegen: Wie kann das Projekt in eine nächste Phase überführt werden und wer könnte was dazu beitragen?

Ein nicht nicht genutztes Potential bei der Planung von Anschlussfinanzierungen ist, dass nur aus Sicht der antragstellenden Organisation gedacht wird. Dabei verfügen die im Projekt eingebundenen Partner oft über:

  • eigene Förderkontakte (z. B. zu Stiftungen, Fachministerien, Entscheidungsträgern, Unternehmenspartnern),
  • einen eigenen guten Ruf oder institutionelle Reichweite, die bei Anträgen hilfreich ist,
  • organisatorische Ressourcen (z. B. Personal, Räume, Strukturen), die eine Fortführung erleichtern,
  • oder auch ein direktes Interesse an der Weiterführung des Angebots, z. B. weil es gut zu ihrem Profil oder Auftrag passt.

Ein offenes Gespräch über mögliche gemeinsame Anschlussperspektiven kann neue Optionen eröffnen. Beispiele hierfür sind eine Kofinanzierung, eine Rollenverlagerung (z. B. Wechsel der Trägerschaft), die gemeinsame Antragstellung oder eine Integration in bestehende Strukturen eines Partners.

Gerade in komplexeren Projekten mit mehreren Beteiligten lohnt es sich also, gemeinsam eine Anschlussstrategie im Verbund zu entwickeln. Das zeigt nicht nur Kooperationsfähigkeit, sondern erhöht auch die Chancen auf Fördermittel.


Unsere Fachbücher und Tools:


Der Fördermittelmarkt verändert sich langsam, aber spürbar

Ein kurzer Blick auf die aktuelle Entwicklung: Der Fördermittelmarkt in Deutschland verändert sich. Zwar bleibt die klassische Projektförderung weiterhin dominierend, aber es gibt eine spürbare Öffnung für Anschluss-, Struktur- und Weiterentwicklungsvorhaben.
Immer mehr Fördergeber erkennen, dass nachhaltige Wirkung nicht in einem einzigen Projektzyklus entsteht. Die Bereitschaft, Projekte zu verlängern, zu verstetigen oder gezielt weiterzuentwickeln, nimmt zu. Das bedeutet, dass gemeinnützige Arbeit nicht mehr nur im Innovationszwang hängen bleiben muss. Es kann auch immer mehr gezeigt werden, wie aus Modellprojekten strukturwirksame Lösungen werden.

Modulare Förderprogramme mit integrierter Anschlussfinanzierung

Und auch schon in der Vergangenheit gab oder gibt es vielmehr Förderprogramme, die den Aufbau von länger angelegten Strukturen gezielt unterstützen. Ein Beispiel hierfür ist das mehrstufige Förderinstrument der Stiftung Deutsches Hilfswerk zur Förderung der Quartiersentwicklung. Hier können Träger den modularen Aufbau des Förderschwerpunkts nutzen, um insgesamt eine Förderung von bis zu fünf Jahren zu erhalten. Im ersten möglichen Förderjahr kann das Konzept und der Meilensteinplan zur Projektumsetzung im Quartier erarbeitet werden, in der zweiten Förderphase geht es um die Umsetzung dieses Konzept (mit einer zweijährigen Laufzeit) und im Anschluss kann eine zweijährige Projektverlängerung gewährt werden. Diese Verlängerungsphase konzentriert sich unter anderem auch auf die "Nachhaltigkeit des Projektes und dessen Perspektiven nach einer Förderung durch die Stiftung Deutsches Hilfswerk". Ein weiteres Beispiel für Förderprogramme mit modularem Aufbau stellt die Förderung von Präventionsnetzwerken gegen Kinderarmut des baden-württembergischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration dar. Hier gibt es eine dreigliedrige Förderung, die ebenfalls aufeinander aufbaut. Zunächst kann der Aufbau von Präventionsnetzwerken über zwei Jahre gefördert werden. Dann gibt es den sogenannten "Baustein PNetzWeiterentwicklung", innerhalb dessen bestehende Netzwerke weiterentwickelt werden können. Als Elemente der Weiterentwicklung gelten mitunter die Erweiterung des Zielgruppenalters, neue thematische Schwerpunkte oder auch die Ausweitung des Projektgebiets. Auch für diesen Part ist eine zweijährige Förderung möglich. In der abschließenden Förderphase (1 Jahr) steht die "Verstetigung im Vordergrund, das heißt die Fortsetzung der laufenden Arbeit bereits gut etablierter Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut. Es besteht die Möglichkeit, good practice zu verstetigen."

Neue Perspektiven von Förderpartnern

Nicht nur in der Ausgestaltung der einzelnen Förderprogramme findet sich Bewegung bei verschiedenen Fördermittelgebern. In der Initiative #VertrauenMachtWirkung zum Beispiel, setzen sich Menschen und Organisationen mit der Zukunft von Stiftungen auseinander.  Es wurden durch die Initiative neun Thesen erarbeitet, die einen gemeinsamen Wertekompass und die Grundlage für verantwortungsvolles, zukunftsfähiges Stiftungshandeln darstellen. Darunter finden sich auch Positionen, die jenseits der klassischen Projektförderung vieler Förderstiftungen ansetzen. In diesem Thesenpapier gibt es mehrere Praxisbeispiele, die diese gut verdeutlichen, wie beispielsweise folgendes von der Robert Bosch Stiftung:

"Robert Bosch Stiftung GmbH: Für die Lösung komplexer Herausforderungen braucht es Ideen, die erprobt und weiterentwickelt und auch mal verworfen werden. Mit dem Förderansatz „Entwicklung von Ideen” stellt die Stiftung daher Ressourcen für Ideenentwicklungsprozesse zur Verfügung, ohne dass damit schon ein konkret realisierbares Projekt verbunden ist. Die Entwicklung kann mit und ohne Beteiligung der Stiftung geschehen, gemeinsames Lernen steht im Mittelpunkt des Prozesses. Das Ergebnis ist offen: Die Ideenentwicklung kann in ein Projekt münden, die Idee kann aber auch verworfen werden. Ziel ist, dass Organisationen mit flexibler Förderung einen Freiraum bekommen, ihren Ansätzen nachzugehen und so auf Lösungspotenziale stoßen, die über eine klassische Projektförderung nicht zum Vorschein kommen." 

Trotz allem: Auch laufende Projekte können förderfähig sein

Trotz aller strategischen Überlegungen gibt es auch immer wieder Förderoptionen, die bewusst auch bereits laufende Maßnahmen und Projekte fördern. Ein bundesweites Beispiel stellt hierfür die Deutsche Postcode Lotterie dar, die Projekte gemeinnütziger Organisationen fördern kann. Die einzelnen Vorhaben dürfen allerdings schon "auf eigenes finanzielles Risiko begonnen haben", was bedeutet, dass für bereits laufende Projekte noch Anträge gestellt werden können. Wichtiger Zusatz aus dem FAQ-Bereich der Deutschen Postcode Lotterie:

"Allerdings darf Ihr Vorhaben zum Zeitpunkt der Beiratsentscheidung noch nicht beendet sein und sollte noch deutlich über diesen Zeitpunkt hinaus wirken." (Der gute Zweck | Postcode Lotterie | Postcode Lotterie)

Auch in akuten gesellschaftlichen Lagen, wie etwa während der Corona-Pandemie, Hochwasserereignissen oder im Zuge von Fluchtbewegungen, werden kurzfristige Förderprogramme aufgelegt, die auf bestehende Strukturen zurückgriffen, um schnelle Wirkung zu erzielen. 

Ausgezeichnet weiterentwickeln: Förderpreise nutzen

Ein weiterer hilfreicher Weg sind Förderpreise. Viele Stiftungen, Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen vergeben Preise, mit denen erfolgreich durchgeführte Projekte ausgezeichnet werden, sei es in den Bereichen Bildung, Integration, Inklusion, Klimaschutz oder für Ehrenamtliches Engagement. Neben der öffentlichen Anerkennung ist mit diesen Preisen oft auch ein finanzielles Preisgeld verbunden, das flexibel für die Weiterentwicklung oder Verstetigung eines Projekts eingesetzt werden kann. Damit bieten Förderpreise eine besonders niedrigschwellige Möglichkeit, Mittel für den nächsten Schritt zu gewinnen.

Darüber hinaus wirken Auszeichnungen auch imagebildend und vertrauensfördernd. Sie stärken die öffentliche Wahrnehmung, schaffen Glaubwürdigkeit und können so helfen, weitere Unterstützer oder Förderpartner zu überzeugen.

Mehr Unabhängigkeit durch Vielfalt: Anschlussfinanzierung als Einstieg in den Finanzierungsmix

Fördermittel allein können auf Dauer keine stabile Finanzierung sichern. Sie sind ein wertvolles Instrument, um gemeinnützige Projekte ins Leben zu rufen, Modelle auszutesten, mittelfristige Bedarfe zu decken oder auch um Angebote weiterzuentwickeln. Doch sie sind in der Regel zeitlich befristet und allein selten geeignet, eine langfristig tragfähige Finanzierung zu gewährleisten. Deshalb lohnt es sich, die Anschlussphase gezielt als Chance zu nutzen, um einen stabilen und vielfältigen Finanzierungsmix aufzubauen. Ein solcher Mix schafft nicht nur finanzielle Spielräume, sondern signalisiert auch gegenüber Fördermittelgebern, dass Ihre Organisation resilient, nachhaltig und strategisch aufgestellt ist. Es geht nicht darum, Fördermittel zu ersetzen, sondern sie klug zu ergänzen.

Ein tragfähiger Finanzierungsmix entsteht oft aus der klugen Verbindung unterschiedlicher öffentlicher und privater Förderquellen, ergänzt durch selbst entwickelte Einnahmestrukturen, strategische Partnerschaften mit anderen Akteuren sowie durch die bewusste Verknüpfung von projektbezogener Förderung mit struktureller Unterstützung. Die Anschlussfinanzierung wird damit nicht zur Notlösung, sondern zum nächsten, geplanten Schritt auf dem Weg zu mehr Unabhängigkeit und Wirkung.

Denken Sie die Phase der Anschlussfinanzierung als Brücke hin zu einer nachhaltigen Finanzierungsstrategie.

Anschlussfinanzierung ist mehr als nur "weiter so"

Eine Anschlussfinanzierung ist kein Selbstläufer. Sie erfordert strategisches Denken, gute Planung und die Fähigkeit, sich selbst weiterzuentwickeln. Wenn Sie zeigen können, dass Ihr Projekt wirkt, dass Sie es reflektiert weiterentwickeln und dass Sie verschiedene Finanzierungspfade im Blick haben, erhöhen Sie Ihre Erfolgschancen deutlich.

Nutzen Sie also die Anschlussphase, um Wirkung sichtbar zu machen, Perspektiven zu öffnen und Ihre Finanzierung auf ein breiteres Fundament zu stellen. 

Wenn Sie dabei professionelle Unterstützung wünschen, können Sie das Beratungsangebot von Förderlotse Torsten Schmotz anfragen. Melden Sie sich rechtzeitig, denn je früher die Anschlussphase berücksichtigt wird, desto gezielter kann gemeinsam an einer tragfähigen Weiterentwicklung Ihres Projekts gearbeitet werden.

Und zuletzt: Teilen Sie gern Ihre eigenen Erfahrungen, Gedanken oder Fragen zum Thema im Kommentarbereich. Denn Austausch schafft Perspektiven und voneinander lernen bringt uns gemeinsam weiter.

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Marlene Schmitz

Über den Autor/die Autorin

Redakteurin, Dozentin und Beraterin, zertifizierte Fördermittelmanagerin, Sozialmanagerin B. A., 15 Jahre Erfahrung im Fundraising- und Fördermittelbereich, Referentin und Lehrbeauftragte



Diese Blogartikel könnten Sie ebenfalls interessieren

Zwischen Automation und Fachlichkeit: Ein systematischer Ansatz für Künstliche Intelligenz in Förderanträgen (Teil 2)
Zwischen Automation und Fachlichkeit: Ein systematischer Ansatz für Künstliche Intelligenz in Förderanträgen (Teil 1)
Fördermittel- und Spenden-Fundraising ist kein Notnagel (Teil 2): Die Entwicklung von Lösungsansätzen
Fördermittel- und Spenden-Fundraising ist kein Notnagel (Teil 1): Die aktuellen Herausforderungen
Die verflixten Eigenmittel. Was hat es mit dem Eigenanteil bei Förderprojekten auf sich?
Wie schreibe ich erfolgreiche Förderanträge? (Häufig gestellte Fragen)
Vernetzungs- und Weiterbildungsangebote im Fördermittel – Fundraising
Nicht zu unterschätzen: Der Verwendungsnachweis

Der Fördermarkt ist beständig in Bewegung. Bleiben Sie informiert...

In unserem regelmäßigen Newsletter erhalten Sie aktuelle Fördertipps, Hinweise auf neue Blogartikel, Veranstaltungen und Angebote von Förderlotse.

>