Gastartikel: Fördermittel für deutsch-französisches Engagement

Frankreich kann mehr als Eiffelturm und Croissant! Wussten Sie, dass unser Nachbarland rund 1,5 Millionen Vereine und 30 Millionen ehrenamtlich engagierte Menschen zu bieten hat? Wenn das mal kein Potenzial für gemeinsames, grenzüberschreitendes bürgerschaftliches Engagement ist.

Genau dafür gibt es den Deutsch-Französischen Bürgerfonds: Der Bürgerfonds berät, vernetzt und finanziert Projekte, die die deutsch-französische Freundschaft und Europa in der Breite der Bevölkerung erlebbar machen. Er fördert eine Vielzahl an Formaten und Themen, ist niedrigschwellig und steht allen Akteuren der Zivilgesellschaft offen.


Gründe für deutsch-französisches Engagement gibt es viele:

  • Schulfranzösisch entstauben: Mit Bonjour, comment ça va ? ist schon der erste Schritt getan und sogar ohne Sprachkenntnisse kann man sich grenzüberschreitend engagieren.
  • Entdecken, was die Partnerstadt zu bieten hat: Wussten Sie, dass Deutschland und Frankreich mehr als 2.200 Städte- und Regionalpartnerschaften verbinden? Die Chancen stehen gut, dass es auch in Ihrer Nähe eine gibt.
  • Einen persönlichen Beitrag zum europäischen Zusammenhalt leisten: In jedem deutsch-französischen Projekt steckt ein europäischer Kern.
  • Sich mit Gleichgesinnten austauschen: Wie engagieren sich Menschen im anderen Land für die gleiche Sache? Wie wird Thema X in Frankreich wahrgenommen und diskutiert?

Und vor allem: Mit dem Bürgerfonds ist deutsch-französisches Engagement so einfach wie nie zuvor!

  • Der Bürgerfonds steht allen offen: Projekte zu verschiedensten Themen werden gefördert. Weder Sprachkenntnisse noch ein bestimmtes Alter sind Fördervoraussetzung. Außerdem können bereits informelle Gruppen ab 3 Personen einen Förderantrag stellen.
  • Der Bürgerfonds ist niedrigschwellig: Es gibt keine Mindestdauer für Projekte und auch vermeintlich „kleinere“ Initiativen können einen finanziellen Zuschuss bekommen. Förderanträge können das ganze Jahr über einfach online gestellt werden. (Nur für Projekte aus Kategorie 4 gibt es feste Antragsfristen, die online bekanntgegeben werden.)
  • Wer sich deutsch-französisch engagieren will, kann auf Unterstützung zählen: Der Bürgerfonds bietet kostenlose und unverbindliche Beratung, Unterstützung vor Ort sowie eine Online-Suchbörse für Partnerorganisationen.

Im Detail bedeutet das:

Wer kann Förderanträge stellen?

  • gemeinnützige Vereine, (Städte-)Partnerschaftsvereine
  • Gebietskörperschaften (Städte, Gemeinden, Landkreise)
  • wissenschaftliche Institute
  • Bildungs- und Ausbildungszentren
  • Sozialunternehmen gGmbHs
  • Stiftungen
  • Bürgerinitiativen und informelle Gruppen (jeweils mindestens drei Personen)

Welche Themen werden gefördert?

  • Bürgerschaftliches Engagement und intergenerationeller Dialog,
  • Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung,
  • Demokratie und Menschenrechte,
  • Europäische Integration/Europa,
  • Geschichte und Erinnerungskultur in Europa,
  • Musik, Kunst und Kultur,
  • Gesundheit und Sport,
  • Engagement gegen jede Art von Diskriminierung, basierend bspw. auf Religion, Gender und/ oder Geschlecht, politische Einstellung oder Zugehörigkeit, oder ferner auf Hass, Rassismus und Antisemitismus,
  • soziale und gesellschaftliche Fragestellungen: Geschlechtergerechtigkeit, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Kampf gegen Ungleichheiten, Integration und Diversität,
  • Digitalisierung.

Welche Formate werden gefördert?

  • Projekte vor Ort, z. B. Ausstellung, Diskussionsabend, Quizrunde, Kulinarisches Kennenlernen des Nachbarlands, Expert*innen-Vortrag bzw. Erfahrungsbericht, Konzert, Konferenz, Stadtrundgang, Escape Game, Fahrradtour, Lesung, Workshop, Theaterstück, Poetry Slam, Speakdating, Infostand, Fotowettbewerb, Sportevent, …
  • Online-Projekte, z. B. Produktion eines gemeinsamen Videos, Diskussionsabend, Quizrunde, Online-Brunch bzw. -Dinner, Expert*innen-Vortrag bzw. Erfahrungsbericht, Konferenz, Lesung, Workshop, Speakdating, …
  • Begegnungen, z. B. Fahrt in die Partnerstadt, Besuch der Partnerorganisation,
    Studienreise, …

Welche Kosten werden übernommen?

  • Der Bürgerfonds fördert bis zu 80 % der Projektkosten, z. B. für An- und Abreise, Aufenthalt, Organisation, Material, Fortbildungen und Honorare.
  • Je nach Förderkategorie reicht die Fördersumme von unter 5.000 € bis zu über 50.000 €.
  • 75 % der bewilligten Fördersumme wird bereits vor Projektstart überwiesen, die restlichen 25 % nach Projektende, wenn Projektbericht, Abrechnung usw. bearbeitet wurden.

Der perfekte Anlass für eine deutsch-französische Aktion:

Der Deutsch-Französische Tag macht jedes Jahr am 22. Januar auf die einzigartige Freundschaft zwischen den beiden Ländern aufmerksam und lädt Bürger*innen dazu ein, sie zu feiern – oder zu entdecken!

Vor diesem Hintergrund startet der Bürgerfonds einen Projektaufruf und regt zu Aktionen an, die vom 18. bis zum 31. Januar 2021 stattfinden. Bis zum 27. November 2020 können dafür Förderanträge beim Bürgerfonds eingereicht werden.

Deadline zu knapp? Keine Sorge, Sie können das ganze Jahr über, etwa 6 Wochen vor Projektbeginn, Förderanträge beim Bürgerfonds stellen.


Hintergrund

Der Deutsch-Französische Bürgerfonds geht auf den 2019 geschlossenen Vertrag von Aachen zurück, mit dem Deutschland und Frankreich ihre Zusammenarbeit 56 Jahre nach dem Elysée-Vertrag (1963) bekräftigen. Eine der Vereinbarungen: gemeinsame zivilgesellschaftliche Initiativen und Städtepartnerschaften stärken.

Die Umsetzung liegt beim Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW), das den Bürgerfonds während einer Pilotphase bis Ende 2022 etabliert.

Das Jahresbudget in 2020 des Bürgerfonds beträgt 2,4 Millionen Euro. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) stellt 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. Das französische Bildungs- und Jugendministerium (DJEPVA) und das französische Europa- und Außenministerium (MEAE) geben jeweils 600.000 Euro.

Mehr Informationen:


Informationen zu unserer Gastautorin: Johanna Haag

Johanna Haag verantwortet die Kommunikation des Deutsch-Französischen Bürgerfonds. Zuvor war sie Pressereferentin und Leiterin der Kommunikation des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW). In Mannheim und Paris studierte sie Medien- und Kommunikationswissenschaft, Französisch, Sozial- und Kulturwissenschaften.


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