Lotteriefonds und Lottostiftungen (Teil 3): Soziallotterien, Fernsehlotterien, Sparlotterien und Umweltlotterien

Jedes Jahr verteilen die sogenannten Soziallotterien Fördermittel in dreistelliger Millionenhöhe. Für viele etablierte Träger sind die Förderungen von Aktion Mensch, Bingo Umweltlotterie oder der Deutschen Fernsehlotterie ein wichtiger Finanzierungsbaustein für ihre Aktivitäten. Dabei sind diese Fördertöpfe gerade auch für kleinere und jüngere Non-Profit-Organisationen interssant. Dazu kommt die Tatsache, dass es im Lottomarkt einiges an Bewegung gibt. In den letzten Jahren sind drei neue Soziallotterien an den Start gegangen.

In diesem Blogartikel stelle ich die verschiedenen gemeinnützigen Lottofonds im Einzelnen vor und schließe damit meine dreiteilige Artikelserie zu den Lotteriefonds und Lottostiftungen ab. Im ersten Teil dieser Artikelserie habe ich einen Überblick über die verschiedenen Förderarten und Förderinstitutionen im Bereich Lotto und Glücksspiel in Deutschland gegeben. Im zweiten Teil standen die konkreten Lotto-Zuschussmöglichkeiten in den einzelnen Bundesländern im Mittelpunkt.


Die aktuelle Umsatzentwicklung der Soziallotterien

Für den Fördermittelneuling stellt sich zu Beginn die Frage: Was ist eigentlich eine Soziallotterie? Die Definition lautet: Soziallotterien werden von gemeinnützigen Organisationen veranstaltet und der erwirtschaftete Gewinne, d. h. die Differenz aus den Bruttospielerträgen und den Vewaltungskosten plus Steuern, wird für gemeinnützige Zwecke verwendet. In Deutschland müssen das mindestens 30 % der Einnahmen sein.

Wie man an der folgenden Tabelle mit den statistischen Daten für das Jahr 2017 sieht, sind die größten Soziallotterien in Deutschland die Aktion Mensch, die Deutsche Fernsehlotterie und die Glücksspirale. Die ersten beiden blicken dabei schon auf über 50 Jahre Geschichte zurück. Die Deutsche Postcode Lotterie ist dagegen erst 2016 im deutschen Markt an den Start gegangen, entwickelt sich seitdem aber sehr positiv.

Umsatz und Fördermittel der Soziallotterien im Jahr 2017 in Deutschland

Lotterie Umsatz in Mio. Euro Fördermittel in Mio. Euro
Aktion Mensch 450,2 183,3
Deutsche Fernsehlotterie/DHW 173,4 73,2
Glücksspirale 242,0 63,0
Deutsche Postcode Lotterie 11,6 3,7

Quelle: Jahres- und Geschäftsberichte Aktion Mensch, Deutsche Fernsehlotterie, Glücksspirale, Deutsche Postcode Lotterie

Wenn man sich die Umsatzentwicklung der Soziallotterien in den letzten drei Jahren anschaut (z. B. im Lagebericht der Aktion Mensch 2017 auf Seite 2), sieht man bei allen ein leichtes, aber stabiles Wachstum. Angesichts der im gesamten regulierten Lottomarkt zurückgehenden Umsätze und der zunehmenden Konkurrenz untereinander ist das als sehr positiv zu bewerten. Das Angebot an die Glücksspieler, den Reiz eines persönlichen Gewinns mit dem guten Gewissen, etwas Gutes zu tun, zu verbinden, scheint nach wie vor sehr attraktiv zu sein.


Aktion Mensch – nicht nur für die Behindertenhilfe

Die größte Soziallotterie in Deutschland ist die Aktion Mensch, die 1964 als „Aktion Sorgenkind“ gegründet wurde. Ausgangspunkt für die Gründung war der Contergan-Skandal, der das Thema Behinderung erstmals in den Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion brachte. Die Lotterie wurde als gemeinsames Projekt von ZDF und den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege ins Leben gerufen, um die Versorgung von behinderten Kindern zu verbessern. Die gesetzliche Regelfinanzierung war damals noch bei weitem nicht so gut ausgebaut wie heute. Der große Erfolg der Aktion Sorgenkind war dann eng mit den entsprechenden Fernsehsendungen verbunden. Legendär war der „Große Preis“ mit Wim Tölke.

Historisches Logo, als die Lotterie noch den Namen Akton Sorgenkind trug

In den folgenden fünfzig Jahren hat sich die Fernsehlotterie stetig weiterentwickelt. Die Förderung wurde zuerst auf Erwachsene mit Behinderung erweitert, dann auch auf Menschen mit anderen sozialen Benachteiligungen. Im Jahr 2000 erfolgte dann konsequenter Weise die Umbenennung in Aktion Mensch. Die Förderschwerpunkte veränderten sich von reinen Hilfs- und Unterstützungsangebote in Richtung Aufklärung, Selbsthilfe und Inklusion, im Sinne eines gleichberechtigten Miteinanders von Menschen mit und ohne Behinderung.

Mit über 50 Förderprogrammen ist das Finanzierungsangebot der Aktion Mensch inzwischen sehr ausdifferenziert. Einsteiger nutzen am besten das Serviceangebot „Förderfinder“ auf der Internetseite der Aktion Mensch, um das passende Programm zu finden.

Von der Aktion Mensch werden nur frei gemeinnützige Organisationen gefördert (das Gleiche gilt für die Deutsche Fernsehlotterie und die Glücksspirale). Privatpersonen, gewerbliche Anbieter und öffentliche oder öffentlich dominierte Einrichtungen sind von der Antragstellung ausgeschlossen.

Die Zielgruppen der Aktion Mensch sind:

  • Menschen mit Behinderung
  • Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten (insbesondere Menschen ohne Wohnung, Menschen in gewaltgeprägten Lebensumständen oder Menschen, die aus geschlossenen Einrichtungen entlassen wurden)
  • Kinder- und Jugendliche mit und ohne Behinderung
  • Senioren mit und ohne Behinderung
  • Menschen mit Behinderung im Alter
  • Junge Menschen mit Behinderung
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen

Schwerpunkt der geförderten Aktivitäten sind:

Die maximale Fördersumme der einzelnen Programme variiert zwischen ein paar tausend Euro bis zu maximal 300.000 Euro. Der Förderanteil liegt bei den meisten Programmen bei 70 %. Ein besonderes Schmankerl ist die 20 % Pauschale für die Verwaltungskosten, die es in vielen Förderlinien gibt. Das Antragsverfahren ist onlinebasiert. Im letzten Jahr gab es eine Umstellung des Systems, was mit einigen Problemen verbunden war. Inzwischen scheint es aber weitgehend reibungslos zu funktionieren.

Bei größeren Projekten ist mit einer Vorlaufzeit für die Antragstellung von meist 9 bis 12 Monaten zu rechnen, wobei es meist die Möglichkeit eines „vorzeitigen Maßnahmebeginns“, allerdings auf eigenes Risiko gibt. Bei den kleinen Förderaktionen (siehe unten) kann man nach 2 bis 3 Monaten mit einem Förderbescheid rechnen.

Die Förderprogramme der Aktion Mensch werden aktuell überarbeitet

Die Aktion Mensch und ihre Förderbedingen sind nicht unumstritten. Hauptkritikpunkt sind die zurückgegangenen Fördermaximalsummen, die Verlagerung von Investivförderung zu Projektförderung und das unübersichtliche Förderangebot. Das hat zur Folge, dass die Aktion Mensch wegen zu wenig passender Anträge ihre Fördermittel in den letzten Jahren nicht mehr wie vorgesehen verteilen kann. Dadurch haben die Rücklagen 2017 eine Summe von 124 Mio. Euro erreicht!

Vor diesem Hintergrund wird aktuell das gesamte Förderprogramm auf den Prüfstand gestellt und der Zugang zu den Fördermitteln soll für die Antragsteller einfacher und attraktiver werden. Bis spätestens Ende 2018 sollen die neuen Förderbedingungen veröffentlich werden.

Ein erster Schritt in Richtung attraktivere Förderbedingungen ist das im Frühjahr 2018 neu aufgelegte Förderprogramm „Inklusion einfach machen. Hier wurde der Fördersatz von 70 auf 95 % erhöht. Das ist ein wichtiger Motivator insbesondere für kleinere und finanzschwächere Organisationen, die nicht über großes Eigenkapital verfügen. Gefördert werden inklusive Projekte in den Lebensbereichen Arbeit, Barrierefreiheit und Mobilität, Bildung und Persönlichkeitsstärkung, Freizeit und Wohnen. Finanziert werden Personalkosten, Honorarkosten, Sachkosten und Investitionskosten mit einer maximalen Zuschusshöhe von 50.000 Euro.

Ebenfalls für kleinere Projekte kann ich die Förderaktionen (maximale Fördersumme 5.000 Euro) …noch viel mehr vor. und „Barrierefreiheit“ empfehlen.


Deutsche Fernsehlotterie – eine Soziallotterie im Umbruch

Die Geschichte der Deutschen Fernsehlotterie ist noch etwas länger, als die der Aktion Mensch. Erstere wurde bereits 1956 gestartet. Als Vergabeorganisation der Fördermittel agiert dabei die Stiftung Deutsches Hilfswerk, die von der ARD und der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände ins Leben gerufen wurde.

Historisches Logo der Fernsehlotterie aus den 80er Jahren

Satzungsgemäße Aufgabe der Stiftung ist die Förderung sozialer zeitgemäßer Maßnahmen und Einrichtungen aller Art, insbesondere solche mit Modellcharakter. Dabei liegt der Fokus auf Projekten für Kinder, Jugendliche, Familien, Senioren und Menschen mit Behinderung oder schwerer Erkrankung. Einen weiteren wichtigen Förderschwerpunkt bilden inzwischen auch Maßnahmen zur Quartiersentwicklung. Einen Überblick über alle Fördermöglichkeiten finden Sie hier. Eine Besonderheit ist die Förderung im Bereich Digitalisierung bei Online-Beratungsprojekten.

Die maximale Fördersumme der einzelnen Programme variiert zwischen mehreren zehntausend Euro bis zu maximal 300.000 Euro. Der Förderanteil liegt je nach Programm/Förderschwerpunkt zwischen 50 und 90 %. Es ist mit einer Vorlaufzeit für die Antragstellung von meist 9 bis 12 Monaten zu rechnen. Das Antragsverfahren ist immer noch papiergestützt.

Erweiterte Fördermöglichkeiten für Familien und Quartiersprojekte

Die Deutsche Fernsehlotterie/Stiftung Deutsches Hilfswerk befindet sich in einer Umbruchsituation. Zum einem wurde das Büro von Köln nach Hamburg verlegt, was mit einem erheblichen Personalwechsel verbunden war. Die jahrelange Zusammenarbeit mit dem Kuratorium Deutsche Altershilfe (kda), die sich um die Fördermittelvergabe für Schulungen und Quartiersentwicklungsprojekte gekümmert hatte, wurde Ende 2017 beendet. Die Fördermittelvergabe in diesem Bereich ist immer noch nicht abschließend neu organisiert.

Erfreulich sind die aktuellen Erweiterungen der Förderkriterien aus dem Mai 2018 im Bereich Maßnahmen für Kinder, Jugendliche, Erziehung und Familie sowie Quartiersmaßnahmen. Die Quartiersentwicklung soll nun nicht nur den Bereich der Alten und Pflegebedürftigen umfassen, sondern bewusst die Lebensumstände von allen in einem Quartier lebenden Menschen. Die allgemeinen Förderrichtlinien wurden letztmalig am 15.11. 2017 angepasst.

Strategisch möchte die Deutsche Fernsehlotterie ihren Förderanteil im Bereich der regelfinanzierten Altenhilfe deutlich reduzieren. Der Großteil der Förderungen in den letzten Jahren konzentrierte sich auf Bauinvestitionen in der Altenpflege. Dagegen sollen nun vor allem solche sozialen Projekte gefördert werden, für die keine gesetzliche Regelfinanzierung vorgesehen ist.

In diesem Förderjahr gab es für viele diakonische Träger eine böse Überraschung. Der Anteil der diakonischen Einrichtungen am Fördermittelkuchen des Deutschen Hilfswerk wurde deutlich reduziert, weil die Träger dieses Wohlfahrtsverbandes in den letzten Jahren deutlich überdurchschnittlich gefördert worden waren.


Die Glücksspirale – Förderung für Soziales, Umwelt, Kultur, Denkmalschutz und Sport

Die Glücksspirale wurde 1967 gegründet, um die Finanzierung der Olympischen Spiele in München mit den Einnahmen einer Lotterie zu sichern. Nachdem das neue Glücksspielangebot, nicht zuletzt durch die Kooperation mit dem Fernsehen, sehr gut angenommen wurde, entschied man sich, die Lotterie fortzuführen.

Seit 1976 gehen die Erträge zweckgebunden an den Deutschen Sportbund (heute: Deutscher Olympischer Sportbund) und an die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Seit 1991 wurde die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in den Kreis der Mittelempfänger aufgenommen. Inzwischen geht ein Teil der Mittel auch in den Umweltschutz. Dabei hat aber jedes Bundesland eigene Förderverfahren entwickelt (siehe auch Teil 2 dieser Artikelserie).

Die Antragstellung und die Förderverfahren bei der Glückspirale sind nicht einheitlich und werden von den einzelnen Verbänden bestimmt. Ich empfehle die direkte Kontaktaufnahme, mit der entsprechenden Dachorganisation.


Spezielles Antragsverfahren für alle Mitglieder in einem Spitzenverband der Wohlfahrt und weitere Informationsmöglichkeiten

Bei den drei klassischen Fernsehlotterien Aktion Mensch, Deutsche Fernsehlotterie und Glücksspirale gelten für Mitglieder der Spitzenverbände der Wohlfahrt (das sind Caritas, Diakonie, AWO, Rotes Kreuz, Paritätischer und ZWST) eigene Antragsverfahren. Diese Verbände haben in der Regel auf Landesebene fest definierte Ansprechpartner, die die Antragstellung ihrer Mitgliedsorganisationen koordinieren und beraten sollen. Häufig organisieren sie auch regelmäßige Infoveranstaltungen. Das ist gerade für Neueinsteiger in die Fördermittelakquise eine gewaltige Hilfe.

Organisationen die keinem Wohlfahrtsverband angehören können sich direkt an die Aktion Mensch und die Deutsche Fernsehlotterie wenden. Bei der Glücksspirale bestehen für soziale Einrichtungen leider keine Fördermöglichkeit.

Die TV-Lotterien sind mit eigenen Infoständen regelmäßig auf großen Veranstaltungen der Sozialwirtschaft, wie z.B. der ConSozial in Nürnberg. Die Aktion Mensch bietet einen Newsletter-Service und immer wieder Webinare zu ihren Förderschwerpunkten an.

Fernsehlotterie für Umweltschutz und Entwicklungszusammenarbeit

Seit gut 2o Jahren hat der NDR eine wöchentliche Spiel- und Lotteriegewinnshow mit dem Namen Bingo! im Programm. Die Zweckerträge diese Lottospiels gehen in Projekte aus den Bereichen Umweltschutz, Naturschutz, Klimaschutz und teilweise auch in den Bereich Entwicklungszusammenarbeit.

Das besondere an Bingo!-Lotto ist die Tatsache, dass die Umweltlotterie nur in einigen Bundesländern aktiv ist:

Lotto Hessen wollte die Bingo!-Lotterie lange Zeit ins eigene Portfolio aufnehmen. Am Ende hat man im Jahr 2015 aber eine eigene Umweltlotterie mit dem Namen GENAU auf den Markt gebracht.

Jedes Bundesland hat eigene Förderrichtlinien, Förderschwerpunkte und Ansprechpartner. Weitere Infos finden Sie, wenn Sie den Links folgen.


Drei neue Soziallotterien – für Leistungssport, Bildung, Soziales und Umwelt

Der Markt der Soziallotterien ist in den letzten Jahren in Bewegung gekommen. Das Modell über eine bundesweit beworbenes Glücksspiel sowohl Einnahmen für gemeinnützige Zwecke zu generieren als auch gleichzeitig die Öffentlichkeit für bestimmte Themen zu sensibilisieren, hat einige Nachahmer gefunden.

2014 wurde der Deutschen Sportlotterie die Spiellizenz erteilt. Sie geht u. a. auf eine Idee des deutschen Olympiasiegers im Diskuswurf Robert Harting zurück. Ziel der Sportlotterie ist die direkte Förderung von Nachwuchs- und Spitzensportlern. Eine direkte Fördermöglichkeit für Organisationen besteht nicht. Die Sportlotterie ist in Bezug auf Bekanntheit und Umsatz immer noch in der Aufbauphase und die Förderaktivitäten sind bisher doch sehr überschaubar.

2016 folgte dann die Deutsche Postcode Lotterie und 2018 die Lotterie BildungsChancen, die ich im Folgenden noch genauer vorstelle.

Zusätzliche Fördereinnahmen oder Kannibalisierung?

Der Markteinstieg der neuen Lotterien wird von den Trägern und Verbänden unterschiedlich beurteilt. Organisationen, die wegen ihrer Themen und Zielgruppen nicht in das Förderspektrum der etablierten Soziallotterien fallen, freuen sich über eine neue Förderoption. Sie hoffen, dass der neue Glücksspielanbieter in Deutschland schnell einen festen Platz findet und seine Fördermöglichkeiten damit ausbaut.

Andere befürchten, dass der Markt für Soziallotterien grundsätzlich begrenzt ist und das sich die neuen Anbieter auf Kosten der bestehenden Strukturen positionieren. Sie geben zu bedenken, dass die Lottoeinnahmen in den letzten Jahren tendenziell zurückgehen.

Ich finde es grundsätzlich erfreulich, wenn es neue Impulse für den Fördermarkt gibt und insbesondere neue Themen und Zielgruppen in den Förderfokus gelangen. Ich bin sehr gespannt auf die weitere Entwicklung in den nächsten Monaten und Jahren.


Deutsche Postcode Lotterie – erfolgreiches Lotteriemodell aus dem Ausland

Von einem ganz anderen Kaliber als die Deutsche Sportlotterie ist die Deutsche Postcode Lotterie, die seit 2016 in Deutschland ihre Lose anbietet.

Das Besondere an dem neuen Glücksspielanbieter ist die Zuordnung der Losnummern. Diese werden aus der Postleitzahl, der Straßenanschrift und einer individuellen Zahlenkombination der einzelnen Spieler zusammengesetzt. Bei der Verlosung gewinnen dann immer Spieler aus einem benachbarten Adressbereich. Man kann sich also mit seiner Nachbarschaft zusammen über den Gewinn freuen.

Drittgröße Spendenorganisation weltweit

Die Deutsche Postcode Lotterie ist ein Ableger der Postcode Lotterie in den Niederlanden. Dort wurde die Soziallotterie Ende der 80er Jahre gegründet und hat sich inzwischen auch in Schweden und Großbritannien etabliert. Mit einer Spendensumme von 7,1 Mrd. Euro in den letzten Jahrzehnten hat sich die Organisation nach eigenen Angaben zur drittgrößten Spendenorganisation weltweit entwickelt. 30 % aller Einnahmen werden an gemeinnützige Organisationen weitergeleitet. Im internationalen Umfeld gehören George Clooney, Rafael Nadal, Bill Clinton, Muhammad Yunus und Tony Blair zu den Botschaftern der gemeinnützigen Lotteriegesellschaft.

Bis zu 25.000 Euro in drei Förderschwerpunkten

Die Förderschwerpunkte der Postleitzahlen-Lotterie konzentrieren sich auf die drei Themen:

  • Chancengleichheit
  • sozialer Zusammenhalt
  • Umwelt- und Naturschutz

Gefördert werden Projekte von freien, gemeinnützigen, sozialen Organisationen und Einrichtungen. Der Förderbeitrag beträgt maximal 25.000 Euro pro Projekt für den gesamten Förderzeitraum von maximal 12 Monaten ab Projektstart. Bei der Deutschen Postcode Lotterie gibt es zwei Förderrunden pro Jahr. Die Einsendefrist der zweiten Förderrunde 2018 endet am 20.09.2018. Alle Infos zur Antragstellung finden Sie hier.

Beirat ohne Beteiligung der Wohlfahrtsverbände

Anders als bei Aktion Mensch, Fernsehlotterie oder Glücksspirale sind bei der Deutschen Postcode Lotterie die Wohlfahrtsverbände nicht am Vergabeverfahren beteiligt. Ein fünfköpfiger Beirat unter Vorsitz von Prof. Dr. Rita Süssmuth trifft sich zweimal jährlich, um die passenden Förderprojekte auszuwählen.

Im März habe ich hier im Blog ein Interview mit dem Pressesprecher der Deutschen Postcode Lotterie Nicolas Berthold geführt, in dem es noch viele wertvolle Zusatzinfos über die Fördertätigkeit des Lottofonds gibt.


Die neueste Soziallotterie: BildungsChancen

Wie ich in meinem Artikel im Juni berichtet habe, ist nach mehrjähriger Vorbereitungszeit die Lotterie BildungsChancen an den Start gegangen. Initiatoren sind der Stifterverband, die SOS-Kinderdörfer weltweit und die Deutsche Kinder und Jugendstiftung DKJS. Die sonstigen Wohlfahrtsverbände sind nicht involviert.

Förderschwerpunkte sind Projekte aus dem Bildungsbereich mit folgenden Schwerpunkten:

  • Wissenschaft und Forschung
  • Kinder- und Jugendhilfe
  • Entwicklungszusammenarbeit

Die Antragstellung bei der Bildungslotterie wird ausschließlich über das Internet möglich sein. Das entsprechende Formular ist seit dem 1. August freigeschaltet. In den Förderrichtlinien ist festgelegt, das in der ersten Phase Bildungsprojekte mit einer Summe von 1.000 bis 10.000 Euro gefördert werden können. Die maximale Projektdauer ist vorerst auf drei Jahre begrenzt. Alle weiteren Details finden sich in meinem ausführlichen Blogartikel über die Lotterie BildungsChancen.


Lotteriespiel der Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken

Die öffentlichen und genossenschaftlichen Kreditinstitute in Deutschland bieten ihren Sparern seit vielen Jahrzehnten die Möglichkeit des Lottosparens. Die Angebote nennen sich PS-Sparen oder GewinnSparen. Auch hier werden regelmäßig gemeinnützige Themen gefördert. Die Zweckerträge der Sparlotterien in Deutschland summierten sich 2016 auf 132 Mio. Euro.

Typische Förderprojekte sind Zuwendungen für kleinere Investitionen, z. B. eine Nestschaukel für den örtlichen Kindergarten oder die neue Möblierung des Jugendzentrums. Gerne werden öffentliche Kulturveranstaltungen bezuschusst, beispielsweise ein Musikfestival oder ein Theatertreffen. Wichtig für die fördernden Finanzinstitute sind ein lokaler Bezug zum eigenem Geschäftsgebiet und die Wirksamkeit des Projektes in der Öffentlichkeit. In vielen Regionen wird auch die Anschaffung von Fahrzeugen für soziale Dienste gefördert.

Die Vergabe der Zweckerträge aus diesen Lottospielen erfolgt in der Regel dezentral direkt durch die Sparkassen und Genossenschaftsbanken vor Ort. Mit einem Anruf bei der örtlichen Bank sollte sich das schnell in Erfahrung bringen lassen. Einige Banken entscheiden über Förderanträge jährlich (häufig zur Weihnachtszeit), andere haben mehrere Termine pro Jahr. Übrigens spenden Sparkassen und Genossenschaftsbanken auch außerhalb der Sparlotterien oder lassen sich als Sponsoren gewinnen.


Mit diesem dritten Teil schließe ich die kleine Blogserie zur Lotterieförderung ab. Ich habe versucht aufzuzeigen, dass Lotterien eine hervorragende Fördermöglichkeit für die unterschiedlichsten gemeinnützigen Aktivitäten darstellen. Nachdem die Förderprogramme in der Regel dauerhaft bestehen, lohnt sich der Aufwand sich in die Antragstellung einmal einzuarbeiten. Das gewonnenen Know-how kann man dann häufig für eine Vielzahl von Folgeanträgen nutzen.

Im Teil 1 gab es einen Überblick über den Lotteriefördermarkt in seiner Gesamtheit. In Teil 2 finden Sie eine detaillierte Übersicht der Lotteriefördermöglichkeiten auf der Ebene der einzelnen Bundesländer.

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