Erfolgsfaktoren bei der Stiftungsförderung und die fünfzehn größten Förderstiftungen in Deutschland

In Deutschland gibt es nach den Statistiken des Bundesverbands deutscher Stiftungen inzwischen über 22.000 Stiftungen bürgerlichen Rechts, die jährlich mehrere Milliarden Euro für die Erreichung ihrer Satzungsziele investieren. 95 Prozent der Stiftungen verfolgen dabei gemeinnützig Zwecke. Die Vielfalt der geförderten Projekte kennt kaum Grenzen:

  • Die Wilhelm-Sander Stiftung stellte 2017 über 10 Mio. Euro Fördermittel für Projekte aus der medizinischen Forschung bereit.
  • Die Allianz Umweltstiftung vergibt jährlich den Deutschen Klimapreis in verschiedenen Stufen für Schulprojekte zum Klimaschutz mit einer Gesamtpreissumme von 65.000 Euro.
  • Beispiele für regional aktive Stiftungen sind die BP Stiftung, welche Initiativen zur beruflichen Qualifizierung, Umschulung und sozialen Betreuung von Jugendlichen in Nordrhein-Westfahlen fördert oder die Thüringer Ehrenamtsstiftung, die mit dem Engagementfonds „nebenan angekommen“ Nachbarschaftsinitiativen zur Stärkung der Willkommenskultur unterstützen.
  • Viele Kulturprojekte wären ohne die Stiftungsförderung nicht möglich. Der international bekannte Windsbacher Knabenchor aus der Metropolregion Nürnberg wird gefördert durch die Stiftung Nürnberger Versicherung, die Erwin-Fricke Stiftung, die Staedtler Stiftung und die Tucher´sche Kulturstiftung.
  • Einzelfallhilfen für in Not geratene Menschen bieten die Franz Beckenbauer Stiftung oder die ADAC Stiftung.

Wenn man mit den Verantwortlichen von gemeinnützigen Organisationen spricht, denen es gelungen ist, regelmäßig und mit größeren Fördersummen von Stiftungen bedacht zu werden, sind folgende Faktoren für den Erfolg wichtig:

  • Stiftungen erwarten eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
  • Die Stiftungsakquise benötigt ausreichende Ressourcen und eine hohe Professionalität.
  • Die Gewinnung von Stiftungen benötigt eine langfristige Perspektive.

Auf diese Erfolgsfaktoren möchte ich im Folgenden genauer eingehen.


Zusammenarbeit mit Stiftungen auf Augenhöhe

Stiftungen haben eine klare Zielsetzung, welche Aktivitäten, Themen und Zielgruppen sie fördern möchten. Sie möchten nicht auf die Rolle des bloßen Geldgebers reduziert werden, der irgendwie sein Geld loswerden muss. Sie verstehen sich vielmehr als „Ermöglicher“, „Gestalter“, „Erhalter“ oder „sozialer Investor“.

Stiftungen verstehen sich als soziale Investoren

Ein Förderprojekt geht also weit über das nüchterne Verhältnis zwischen Zahlungsgeber und Zahlungsempfänger hinaus, wie wir es z. B. bei der Vergabe von Krediten durch unsere Hausbank kennen. Voraussetzung für Förderprojekte ist eine vertrauensvolle Partnerschaft zwischen Förderer und Gefördertem.

Die Fragen der Stiftung an ihr Vorhaben

Eine Förderinstitution hat eine eigene Perspektive auf Ihr Projekt, und darauf müssen wir uns bei der gesamten Kommunikation mit einem potenziellen Förderpartner einstellen. Die folgenden Fragen des Förderpartners müssen Sie eindeutig beantworten können:

  • Kann ich Ihnen als Projektträger grundsätzlich mein Geld anvertrauen?
  • Traue ich Ihnen die Umsetzung des Projekts zu?
  • Erfüllt Ihr Projekt den eindeutig definierten Zweck meiner Organisation?
  • Passen Sie als Projektträger hinsichtlich der Denk- und Arbeitsweise, der Wertvorstellungen und der Außenwirkung zu mir?

Mein Tipp: Perspektivwechsel

Wenn man mit viel Engagement an seinem Projekt arbeitet, ist der Wechsel in die Perspektive des Förderers nicht immer einfach. Eine besonders große Herausforderung ist es, die entscheidenden Argumente auf den Punkt zu bringen und die Förderinstitution nicht mit zu vielen Informationen zu überfrachten. Daher empfehle ich Ihnen, bei der Projektkonzeption und der Antragstellung einen Kollegen um Hilfe zu bitten, der inhaltlich nicht involviert ist. Er soll bewusst die Position eines potenziellen Geldgebers einnehmen und aus dieser Sicht die von ihnen ausgearbeiteten Informationen bewerten. So können Sie der Betriebsblindheit vorbeugen.

Der Stiftungsmarkt in Deutschland

Nach den Statistiken des Bundesverbands Deutscher Stiftungen verdoppelte sich die Anzahl der Stiftungen bürgerlichen Rechts in Deutschland innerhalb der letzten zehn Jahre. Dazu kommen mehrere tausend Stiftungen, die eine andere Rechtsform haben. Das von den Stiftungen verwaltete Vermögen ist beachtlich, Schätzungen gehen von rund 100 Mrd. Euro aus.

Ursache für diesen Stiftungsboom sind u. a. neu eingeführte steuerliche Vorteile. Viele Millionen werden als Stiftungsvermögen eingebracht und sollen Non-Profit-Aktivitäten unterstützen. Damit sind wir noch weit von Zuständen wie in den USA entfernt, wo  Warren Buffet und Bill Gates die größte private Förderstiftung der Welt mit einem Gesamtkapital von 35,2 Mrd. Dollar gegründet haben. Aber die von deutschen Stiftungen vergebenen Mittel sind inzwischen auch beachtlich.

Eine wichtige Unterscheidung ist die Tatsache, ob es sich bei einer Stiftung um eine operative oder fördernde Einrichtung handelt. Operative Stiftungen konzentrieren sich auf die Umsetzung von selbst initiierten Aktivitäten. Das Paradebeispiel ist die Bertelsmann Stiftung, die sich für den gemeinnützigen Bereich vielfältig engagiert, aber keine Fördermittel vergibt.

Dagegen vergeben fördernde Stiftungen ihre Mittel auf Anfrage an externe Institutionen und Einzelpersonen. Ein typischer Vertreter ist Stiftung der Mahle Unternehmensgruppe, die externe Projekte in den Bereichen Bildung und Erziehung, Gesundheit und Pflege, Kunst und Kultur sowie Landwirtschaft und Ernährung fördert.

61 Prozent der Stiftungen werden als fördernd kategorisiert, 20 Prozent als fördernd und operativ und 19 Prozent als ausschließlich operativ. Die Ausgaben der reinen Förderstiftungen werden auf die Summe von drei Mrd. Euro geschätzt.


Die fünfzehn größten Förderstiftungen in Deutschland

Jährlich veröffentlicht der Bundesverband Deutscher Stiftungen ein Ranking der größten Stiftungen. Ich habe Ihnen die Zahlen für die größten Förderstiftungen daraus zusammengestellt.

  Die 15 größten fördernden Stiftungen 2017 Förderschwerpunkte Zweckausgaben in Mio. Euro
1 Robert Bosch Stiftung GmbH Bildung, Gesellschaft, Gesundheit, Völkerverständigung, Wissenschaft 84,6
2 Klaus Tschira Stiftung gGmbH Mathematik, Naturwissenschaft, Informatik 78,3
3 Volkswagen Stiftung Wissenschaft 73,7
4 Dietmar Hopp Stiftung Sport, Soziales, Medizin und Bildung in der Rhein-Neckar-Region 70,0
5 Stiftung Mercator GmbH Wissenschaft, Bildung, internationale Verständigung, Europa, Integration, Klimawandel, kulturelle Bildung 57,9
6 Deutsche Bundesstiftung Umwelt 53,0
7 Baden-Württemberg Stiftung gGmbH Forschung, Bildung, Gesellschaft & Kultur 43,1
8 Else Kröner-Fresenius Stiftung Medizinische Forschung und humanitäre Hilfsprojekte 32,7
9 RAG Stiftung Bildung, Wissenschaft und Kultur in den Bergbauregionen an Ruhr, Saar und in Ibbenbüren 29,8
10 Gemeinnützige Hertie-Stiftung Erziehung zu Demokratie, Förderung neurowissenschaftlicher Erkenntnisse und europäische Integration 26,0
11 Deutsche Stiftung Denkmalschutz Private Denkmalschutzprojekte 25,5
12 Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung Wissenschaft, Bildung, Gesundheitswesen, Sport, Kultur 17,0
13 Fritz Thyssen Stiftung Wissenschaftsförderung 16,9
14 Software AG – Stiftung Erziehung und Bildung, Kinder- und Jugendhilfe, Behindertenhilfe, Altenhilfe, Wissenschaftsförderung 16,7
15 Gerda Henkel Stiftung Förderung der Wissenschaft, insbesondere der Geisteswissenschaft 16,6

Achtzig Prozent der Stiftungen fördern ausschließlich regional

Die Standorte der Stiftungen sind regional sehr unterschiedlich verteilt. Aus geschichtlichen Gründen und durch die unterschiedliche Verteilung von Einkommen und Besitz sind über 93 Prozent aller Stiftungen in den alten Bundesländern zu finden. Die höchste Stiftungsdichte pro Einwohner gibt es in Hamburg, Bremen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Der Standort der Stiftungen ist deswegen so wichtig, weil 80 Prozent aller Stiftungen nur vor Ort oder regional aktiv sind.

Nur ein Drittel der Stiftungen hat ein großes Vermögen

Die Vermögenswerte und die verfügbaren Budgetmittel der Stiftungen sind sehr ungleich. Ein Drittel der Institutionen verfügt nur über Vermögenswerte von bis zu 100.000 Euro. Das bedeutet dann ein potenzielles jährliches Fördervolumen von lediglich ca. 1.000 bis 3.000 Euro pro Stiftung. Diese Gruppe kommt wegen des kleinen Volumens als Förderpartner eher nicht in Frage. Am oberen Ende der Größenverteilung bleiben mehr als 8.000 Stiftungen, die gemeinnützige Aktivitäten mit mehr als 25.000 Euro jährlich finanzieren. An der Spitze der Vermögenspyramide verfügen die 15 größten Stiftungen über ein Vermögen von insgesamt etwa 26 Mrd. Euro.

95 Prozent der deutschen Stiftungen sind gemeinnützig ausgerichtet. In der Statistik des Bundesverbands Deutscher Stiftungen zeigt sich folgende Aufteilung der unterschiedlichen Stiftungszwecke:

  • Soziale Zwecke 26,1 %
  • Wissenschaft und Forschung 13,0 %
  • Bildung und Erziehung 17,3 %
  • Kunst und Kultur 15,4 %
  • Umweltschutz 5,8 %
  • Andere gemeinnützige Zwecke 19,7 %
  • Privatnützige Zwecke 2,7 %

Sparkassenstiftungen

Zurzeit gibt es über 600 Sparkassen in Deutschland, die fast 700 Stiftungen unterhalten. Besonderes Merkmal der Sparkassenstiftungen ist, dass sie sich ausschließlich regional betätigen, das heißt, nur Antragsteller aus dem Aktionsbereich der jeweiligen Bank oder Sparkasse werden gefördert. Ergänzend gibt es Stiftungen der Sparkassengruppe auf Landesebene (beispielsweise www.bayerische-sparkassenstiftung.de) und der jeweiligen Landesbanken.

In den 50er und 60er Jahren hatten sie vor allem die Förderung von Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zum Ziel; in den 70er Jahren wurde die Jugendpflege, der Sport und die Förderung von Wissenschaft und Forschung zu Schwerpunkten. In den 80er Jahren wurden die Zweckbestimmungen erweitert in Richtung Natur- und Umweltschutz, Heimatpflege und Pflege von Kulturdenkmälern. Der jüngste Trend zielt vor allem auf die Kunst- und Kulturförderung, aber auch auf eine Ausweitung der Sozialförderung. Einen Überblick über die Sparkassenstiftungen finden sie hier: www.sparkassenstiftungen.de.

Stiftungsverwalter

Zahlreiche Banken fördern nicht nur mit eigenen Stiftungen, sondern verwalten vor allem kleinere Stiftungen von Kunden. Insofern lohnt es sich, dort nachzufragen. Andere Stiftungen werden von Kommunen, Kirchengemeinden, Notaren oder Rechtsanwälten verwaltet. Über 1.600 kleinere und Treuhand-Stiftungen verwaltet das Haus des Stiftens, München. Jeden Monat kommen zwei bis drei neue dazu. Das DSZ – Deutsche Stiftungszentrum im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft in Essen verwaltet größere Stiftungen insbesondere im Bereich der Wissenschaftsförderung. Das DSZ verwaltet inzwischen auch Stiftungen außerhalb der Wissenschaftsförderung, zum Beispiel die bekannte Stiftung Fliege.

Bürgerstiftungen

In fast allen Städten, Landkreisen und Regionen wurden Bürgerstiftungen gegründet. Das sind unabhängige, autonom handelnde, gemeinnützige Stiftungen von Bürgern für Bürger mit einem breiten Stiftungszweck. Sie engagieren sich nachhaltig und dauerhaft für das Gemeinwesen an ihrem Ort oder in ihrer Region. Sie bauen kontinuierlich Stiftungskapital auf, indem sie den Bürgern die Möglichkeit geben, auch kleinere Summen zu stiften.

Darüber hinaus sammeln sie auch Spenden und starten mit der Hilfe der bei ihnen engagierten Freiwilligen viele eigene Sozial- und Kulturprojekte.

Die interne Arbeit der Bürgerstiftungen wird durch partizipatorische Elemente ergänzt: Wer einen bestimmten Mindestbeitrag zugewendet hat, hat Sitz und Stimme in einem Organ (vergleichbar der Mitgliederversammlung eines Vereins), das Mitspracherechte hat. Prominente Beispiele sind die BürgerStiftung Hamburg und die Bürgerstiftung Dresden.

Obwohl die Bürgerstiftungen ihre Mittel überwiegend für eigene Projekte verwenden, ist die örtliche Bürgerstiftung dennoch eine wichtige Förderadresse und ein möglicher Kooperationspartner für Vereine, Projekte und gemeinnützige Einrichtungen. Übersichten zu den Bürgerstiftungen finden sich hier: https://stiftungssuche.de/buergerstiftungen und https://www.aktive-buergerschaft.de/buergerstiftungen/buergerstiftung-finden/.


Die wichtigsten Informationsquellen bei der Stiftungsrecherche

Die Stiftungsverzeichnisse der Bundesländer

Die staatliche Stiftungsaufsicht liegt in der Hand der Bundesländer. Gemäß unseren föderalen Strukturen veröffentlicht jedes Land ein eigenes Stiftungsverzeichnis. Der Suchkomfort in diesen Datenbanken ist sehr unterschiedlich. In NRW gibt es eine professionelle Datenbank mit vielfältigen Suchmöglichkeiten, in Berlin dagegen nur ein PDF-Dokument zum Downloaden. Es gibt aber kein bundesweites staatliches Stiftungsverzeichnis. Das ist in der Hinsicht relevant, da der Standort einer Stiftung nicht immer mit der Förderregion identisch ist. Ich kenne Stiftungen, die ihren Sitz in Frankfurt haben, aber nur in München fördern. Im bayerischen Stiftungsverzeichnis sind sie aber nicht zu finden.

In unserem Internetverzeichnis finden sie hier eine Übersicht über alle Stiftungsverzeichnisse der Bundesländer in Deutschland.

Stiftungssuche beim Informationsangebot des Bundesverbands Deutscher Stiftungen

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen bringt alle zwei bis drei Jahre sein Verzeichnis Deutscher Stiftungen heraus. In der aktuellen Ausgabe 2017 finden sich mehr als 26.600 Portraits von Stiftungen in Deutschland mit Kontaktdaten, Förderzwecken, Förderschwerpunkten und weiterführenden Informationen. Das Verzeichnis wird in verschiedenen Zusammenstellungen angeboten.

Zu empfehlen ist insbesondere die Online-Version der Stiftungssuche. Über ein Formular zur detaillierten Suche lassen sich die Stiftungen nach folgenden Kriterien selektieren: PLZ, Bundesland, Zwecke, Förderstiftungen und Status „Antragsmöglichkeit nicht ausgeschlossen“.

Die Buchversionen sind nach unserer Erfahrung für die praktische Arbeit nicht wirklich geeignet. Wenn man regelmäßig nach Fördermöglichkeiten durch Stiftungen sucht, ist die Investition von 19,99 bis 49,99 Euro im Monatsabo gut angelegt.

Überblick über den lokalen und regionalen Stiftungsmarkt mit der Tagespresse

Neben diesen Datenbanken ist die Tagespresse ein hervorragendes Informationsmedium, insbesondere was die lokalen und regionalen Förderaktivitäten durch Stiftungen angeht. Wenn man mit geschärften Blick regelmäßig den Lokalteil seiner Tageszeitung durchsieht, wird man erstaunt sein, wie oft von Förderungen und Spenden berichtet wird. Diese Informationen sollten gesammelt und ausgewertet werden, um sich intern ein eigenes Verzeichnis mit den Förderern zu schaffen, die für die eigene Arbeit relevant sind.

Thematische Stiftungsverzeichnisse

Ob für Bildung, Soziales, Kultur, Umweltschutz, Entwicklungszusammenarbeit, Forschung und Wissenschaft, für jedes gemeinnütziges Thema und für fast jede Zielgruppe gibt es recherchierte Stiftungsverzeichnisse und Stiftungsübersichten im Netz. Unsere umfassende Linkliste der Förderverzeichnisse finden sie hier.


So bekommen sie Durchblick im Förderdschungel der Stiftungen

Angesichts der dargestellten vielfältigen Fördermöglichkeiten liegt die erste Herausforderung darin, die passenden Förderausschreibungen zu finden. Je nachdem wie viel Zeit Sie investieren möchten (oder können), gibt es dazu verschiedene Möglichkeiten:


Die Stiftungsakquise benötigt ausreichende Ressourcen und eine hohe Professionalität

Wie man sieht, benötigt die Recherche und Identifikation von potenziellen Förderstiftungen Zeit und Aufmerksamkeit. Wenn man eine passende Stiftung für sein Vorhaben gefunden hat, sollte man direkten Kontakt aufnehmen. Danach müssen überzeugende Antragstexte geschrieben werden. Dabei darf man nicht den Fehler machen, einen Serienbrief an alle potenziellen Förderer zu verfassen, sondern jede Stiftung erwartet ein „mundgerechtes“ Angebot, das auf die eigenen Vorgaben und Anforderungen eingeht. Man sollte sich Gedanken machen, wer den Antrag am Ende lesen und bewerten wird.

Die größeren Stiftungen geben dafür spezifische Antragsformulare vor, die mehrere Seiten umfassen können (> Antragsformular Robert Bosch Stiftung). Die entsprechende Formulierung ihres Angebots erfordert sehr gute kommunikative Fähigkeiten und Erfahrungen. Gegebenenfalls macht es Sinn, bei dieser Arbeit auf professionelle Dienstleistungen von Fördermittelberatern zurückzugreifen, die genau wissen, was der Förderer hören möchte.

Bei der Stiftungsakquise kommt es aber nicht nur auf die Recherche in Datenbanken und das professionelle Formulieren von Anträgen an. Mindestens genauso wichtig sind die intensive Netzwerk- und Lobbyarbeit. Mit Referenzen und Empfehlungen kann man sich häufig von der Vielzahl von anderen Anträge abheben. Nutzen Sie gerade bei lokalen und regionalen Stiftungen die Möglichkeit, in ein persönliches Gespräch zu kommen. Dabei sind natürlich die obersten Führungskräfte einer gemeinnützigen Organisation gefordert. Wenn sich Vorstand oder Geschäftsführung Zeit für ein Gespräch nehmen, signalisiert dies, wie wichtig einem die Beziehung zum Förderer ist.

Die Gewinnung von Förderstiftungen benötigt eine langfristige Perspektive

Viele Stiftungen sind gegenüber Partnern, mit denen sie noch keine Erfahrungen gesammelt haben, zuerst einmal zurückhaltend. Es ist durchaus üblich, dass man eine erste Förderung in einem überschaubaren finanziellen und zeitlichen Rahmen hält. Dadurch hat man die Möglichkeit, sich von der Professionalität und Vertrauenswürdigkeit des Förderpartners in der Praxis zu überzeugen. Wenn die ersten gemeinsamen Förderprojekte gut funktionieren, sind einige Förderstiftungen bereit, im größeren Rahmen zu kooperieren. Im besten Fall kommt es langfristig zu einer festen Zusammenarbeit. Statt Projektförderung ist dann auch eine institutionelle Förderung nicht ausgeschlossen.

Oder es geht ihnen wie einem bayerischen Landesverband in der Behindertenhilfe vor ein paar Jahren, der im Oktober einen Anruf einer regionalen Förderstiftung bekam, mit der man schon länger kooperierte. Die Stiftung wollte dringend die für das Geschäftsjahr geplanten Fördermittel verausgaben, hatte aber noch keine passenden Anträge bekommen. Da erinnerte man sich an den Verband, mit dem man schon einige gute Förderprojekte zusammen umsetzen konnte. Die Anruferin der Stiftung sagte zu: „Wenn Sie mir bis morgen einen Projektantrag schicken, können wir Ihnen gleich eine Zusage fertig machen.“


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