Zweiteilige Blogserie zur Fördermittelrecherche: Teil 1 Vorbereitung und stufenweises Vorgehen

Nach vorsichtigen Schätzungen werden in Deutschland jährlich etwa 35 bis 45 Milliarden Euro in Form von Fördermitteln für gemeinnützige Aktivitäten zur Verfügung gestellt. Diese Mittel werde über zehntausende von unterschiedlichen Programmen und Institutionen vergeben. Es ist nicht einfach, sich in diesem Förderdschungel zu orientieren. In diesem Artikel schildere ich ihnen, wie Sie bei der Suche nach einer Förderung am besten vorgehen.


Willkommen im deutschen Förderdschungel

Im deutschen Förderdschungel wachsen die unterschiedlichsten Förderpflanzen in den Bereichen Stiftungen, Lotteriemittel, staatliche Programme oder Förderfonds.

Bei der Suche nach Fördermitteln befinden wir uns häufig in einem regelrechten Förderdschungel
(auch wenn es hier nur meine Zimmer-Palme ist)

Wenn wir uns den Bereich Umwelt- und Klimaschutz mal herausnehmen, finden wir beispielsweise:

die Deutsche Postcode-Lotterie, welche 15 Wander-Bäume der Initiative Green City in der Innenstadt von München fördert.

die Nationale Klimaschutz Initiative des Bundesumweltministeriums, welche regelmäßig eine Vielzahl von Förderprogrammen ausschreibt, unter anderem Förderaufrufe zu Modellprojekten im kommunalen Klimaschutz.

die Umweltstiftung Michael Otto, welche Kinder- und Jugendinitiativen unterstützt, die sich für den Schutz von Wasser einsetzen.

die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, welche in einem aktuellen Sonderförderprogramm grüne Start-ups mit dem Schwerpunkt Digitalisierung unterstützt.

den Bayerischen Naturschutzfonds, der als Stiftung öffentlichen Rechts das Projekt „Die Agrarlandschaft von morgen – Zeitgemäße Lösungen für die Lebensgemeinschaft Rebhuhn“ unter Leitung der Ökologischen Bildungsstätte Oberfranken mit rund 413.000 Euro fördert.

Das ist nur ein klitzekleiner Ausschnitt zu einem Thema innerhalb des Förderdschungels für gemeinnützige Organisationen. In den Bereichen Gesundheitswesen, Jugendhilfe oder Altenhilfe sind ganz andere Förderer relevant.


Viele verzweifeln bei der Suche im Internet

Es ist nicht verwunderlich, dass viele, die sich das erste Mal auf die Suche nach Fördermöglichkeiten für ihr Vorhaben begeben, ziemlich schnell frustriert sind. Das Internet bietet mit seinen Suchmaschinen und Linklisten viele Möglichkeiten. Wenn man seine Suche aber nicht gut plant und man nicht mit den richtigen Suchkombinationen arbeitet, sind die Ergebnisse meist sehr ernüchternd. Nach Stunden im Internet hat man zwar vieles gefunden und man wunderst sich, was alles gefördert wird, aber für das eigene Vorhaben war scheinbar nichts Passendes dabei.


Effiziente Förderrecherche: Zuerst planen – dann suchen

Aus meiner vierzehnjährigen Erfahrung empfehle ich Ihnen, bevor Sie sich in die Recherche stürzen, zuerst einmal die zentralen Informationen zu dem Fördervorhaben zusammenzutragen, für welches Sie nach Fördermitteln suchen. Förderinstitutionen haben sehr klare Erwartungen und dezidierte Förderbedingungen und werden Sie nur unterstützen, wenn Sie diese auch erfüllen können.


Folgende Informationen aus ihrem Förderkonzept benötigen Sie für eine gezielte Suche nach passenden Fördermöglichkeiten:

  • Welche ist die Zielgruppe bzw. die Zielgruppen des Vorhabens (z.B. Flüchtlinge, Kinder, Arbeitslose, benachteiligte Schüler)?
  • Was ist das zentrale Thema des Vorhabens (z. B. sprachliche Integration, Aufbau von sozialen Kompetenzen, politische Bildung, konkreter Klimaschutz, Verbesserung des lokalen Kulturangebots)?
  • Wann soll das Vorhaben starten, wie lange soll es dauern, bis wann wird es beendet sein? (Die meisten Förderer unterstützen ausschließlich noch nicht begonnene Aktivitäten und helfen zeitlich begrenzt)
  • Wo wird das Vorhaben stattfinden und welches Einzugsgebiet wird abgedeckt? (70% der Förderquellen in Deutschland fördern regional beschränkt.)
  • Welche Kostenarten sollen gefördert werden? (Viele Förderer konzentrieren sich auf bestimmte Kostenarten, wie Investitionskosten, Sachkosten, projektspezifische Kosten, Personalkosten.)
  • In welcher Größenordnung entstehen Kosten und welcher Anteil soll gefördert werden? (Die Fördersummen der einzelnen Förderinstitutionen sind sehr unterschiedlich und können von einigen hundert Euro bis zu Millionenbeträgen variieren)
  • Welchen Anteil können Sie mit eigenen Mitteln oder mit weiteren Drittmitteln abdecken? (Die Zuschussgeber erwarten in der Regel immer einen Eigenanteil, dieser liegt häufig zwischen 25 und 50 %.)
  • Können Sie ggf. auf Kooperationspartner zurückgreifen? (Bestimmte Förderprogramme können nur mit einem bestimmten Rechtsstatus beantragt werden, z.B. von der Kommune, dem Landkreis)

Nachdem wir diese Daten haben, muss entschieden werden, welche Art der externen Unterstützung benötigt wird, um das Projekt erfolgreich umsetzen zu können. Ist vor allem Geld notwendig, oder würden Sachspenden und die Mitarbeit von Kooperationspartnern auch weiterhelfen? Dabei sollte kritisch hinterfragt werden, welche internen und externen Finanzierungsalternativen es gibt. Viele Förderinstitutionen setzen voraus, dass alle alternativen Finanzierungsmöglichkeiten im Vorfeld überprüft wurden.


Recherche der geeigneten Förderquellen in drei Schritten:

Ehe ich im gemeinnützigen Sektor gelandet bin, habe ich zehn Jahre im Marketing und im Vertrieb in der freien Wirtschaft gearbeitet. Rückblickend fällt mir dabei auf, dass es zwischen Marketing und der Fördermittelakquise sehr große inhaltliche Überschneidungen gibt. In beiden Fällen müssen wir uns und unser Angebot an einen potenziellen Interessenten verkaufen. Die Kunst besteht darin, dabei genau die richtigen Argumente zu finden, die für das jeweilige Gegenüber passen.

Bei der Fördermittelrecherche empfiehlt sich eine schrittweise Vorgehensweise

Angewärmente Kontakte oder Kaltakquise?

Am schwierigsten im Vertrieb ist die sogenannte Kaltakquise. Damit wird die Ansprache von Zielgruppen bezeichnet, die zu uns und zu unserem Angebot noch keinerlei Beziehung haben. Die Beziehung ist kalt, weil der Angesprochene noch keinerlei Erfahrungen und Gefühle bzgl. unserer Offerte hat. Die Hürde, überhaupt seine Aufmerksamkeit zu erhalten, ist ziemlich hoch.

Ein guter Vertriebler sucht aus diesem Grund immer nach Möglichkeiten, diesen sog. kalten Kontakt anzuwärmen. Das heißt er versucht herauszufinden, ob es nicht doch eine Verbindung zwischen ihm und den Angesprochenen gibt. Dass kann eine Beziehung aus der Vergangenheit sein, eine Verknüpfung über eine gemeinsam bekannte Person oder Institution, eine persönliche Empfehlung und geteilte Erfahrungen und Werte.

Wenn es mir gelingt, eine solche Beziehung zum Angesprochenen herauszufinden oder herzustellen, werde ich gleich ganz anders wahrgenommen und es fällt mir grundsätzlich auch leichter, ein Gespräch zu eröffnen.

Die gleiche Vorgehensweise empfehle ich auch in der Fördermittelakquise. Grundlage einer jeden Förderung ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Förderer und Geförderten. Vertrauen macht sich dabei an positiven Erfahrungen und persönlichen Beziehungen fest. Es ist in der Regel viel einfacher, eine Institution anzusprechen und zu überzeugen, zu der es eine aktive Beziehung gibt oder zumindest in der Vergangenheit gab.


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Die Suche erfolgt am besten in drei Schritten:

Schritt 1: Überprüfung der organisationseigenen Informationsquellen

Im ersten Schritt suchen wir intern. Traurigerweise ist aber in vielen Organisationen überhaupt nicht bekannt, zu welchen Förderern bereits Beziehungen bestehen und auf welche Kontakte man zurückgreifen kann. Je älter und größer Ihre Organisation ist, umso höher ist wahrscheinlich auch der Schatz an Beziehungen auf den man als erstes zurückgreifen sollte. Je älter und größer Ihre Organisation ist, umso aufwendiger ist es aber auch meist, sich diesen Überblick zu verschaffen.


Wenn Sie neu im Feld der Fördermittelakquise sind, ist es Ihre erste Aufgabe, sich einen Überblick über die bestehenden internen Förderbeziehungen zu verschaffen.


Wo finden Sie nun heraus, welche Förderinstitutionen Ihre Organisation in der Vergangenheit gefördert haben?

  • Ein erster Anlaufpunkt ist sicher der Bereich Buchhaltung/Finanzen/Controlling . Dort müssen in der Regel die Abrechnungen von Förderprojekten gestellt und dokumentiert werden. Nachdem es bei Förderprojekten häufig mehrjährige Aufbewahrungsfristen gibt, sollten auch Förderungen aus der Vergangenheit dort zu finden sein.
  • Viele Förderer legen Wert auf eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit . Wenn es bei Ihnen entsprechende Verantwortliche gibt, fragen Sie doch dort nach. Vielleicht gibt es auf Ihrer Internetseite oder in Ihrem Jahresbericht eine Seite mit der Übersicht über Ihre Förderer, Sponsoren und Unterstützer.
  • Auch die Verantwortlichen aus der Geschäftsführung und dem Vorstand sollten einen Überblick über die Förderungen der Vergangenheit haben.
  • Und nicht zuletzt die Kollegen und Kolleginnen aus Förderprojekten können eine Auskunft geben.

Vielleicht gibt es bei Ihnen schon eine Zusammenstellung oder ein Verzeichnis der bestehenden Förderkontakte. Wenn nicht, ist Ihre Recherche vielleicht ein guter Ausgangspunkt, eine solche Übersicht zusammenzustellen.


Schritt 2: Nutzung der regionalen Informationsmedien zur Förderung

Etwa 70 Prozent aller Antragsmittel werden regional oder lokal ausgeschrieben. Aus diesem Grund konzentrieren wir uns nun auf unser direktes Umfeld.


Die meistgenutzte Informationsquelle in unserer Beratungspraxis

Wenn ich gefragt werde, was für meine Recherchearbeit das wichtigste Informationsmedium ist, nenne ich nicht bestimmte Stiftungs- und Förderdatenbanken. Es gibt ein Medium, das ist viel naheliegender. Und es ist ein Instrument, das sie schon gut kennen, ohne vielleicht zu wissen, dass es ihnen bei Ihrer Recherchearbeit sehr gute Dienste leisten kann.

Ich spreche von Ihrer regionalen Tageszeitung. Ich kenne kein vergleichbares Infoinstrument, welches die Förderaktivtäten in Ihrer Region so gut abdeckt. Das liegt daran, dass sowohl Förderer als auch Geförderte ein großes Interesse haben, über ihre Zusammenarbeit zu berichten. Durch Presseberichte können sie sich und ihre Aktivitäten der Öffentlichkeit in einem positiven Licht darstellen. Die lokale und regionale Presse ist auf der anderen Seite immer an örtlichen Geschehnissen interessiert. So erscheinen regelmäßig Artikel über neue Förderausschreibungen, über Förderzusagen oder über den Beginn und das Ende von geförderten Projekten.

Solche Artikel über Fördertätigkeiten in Ihrer Region finden Sie in Ihrer Tageszeitung

Die Berichterstattung in der Presse ist besonders wichtig, weil viele Förderinstitutionen (gerade im lokalen und regionalen Umfeld) selbst keine aktuellen Internetseiten haben, auf denen ich mich über ihre Aktivitäten erkundigen kann.


Mein Tipp: Nutzen Sie die tägliche Zeitungslektüre, um sich gezielt über die lokale und regionale Förderlandschaft zu informieren. Werten Sie regelmäßig aus:

  • Wer ist als Förderer aktiv?
  • Was und wer wird gefördert?
  • Wer sind die Entscheider?
  • Welche Netzwerke sind wichtig?
  • Was ist für die Zukunft geplant?

Wenn Sie mit diesem Blick Ihre Tageszeitung für ein Jahr ausgewertet haben, sollten Sie den örtlichen Fördermarkt mit seinen Institutionen und Personen gut kennen.


Analysieren Sie, wie sich Ihre Wettbewerber fördern lassen

Neben der Zeitungslektüre gibt es aber noch eine weitere Möglichkeit, die Förderlandschaft in ihrer Umgebung genauer kennenzulernen. Machen Sie eine gezielte Wettbewerbsanalyse . Suchen Sie in den Informationsmedien anderer gemeinnütziger und öffentlicher Träger in ihrer Region nach Informationen über Zuschussgeber und Sponsoren. Vielleicht gibt es im Internet eine entsprechende Seite mit dem Titel: Unsere Förderer und Unterstützer.


So sieht die entsprechende Seite beim Windsbacher Knabenchor, eine international bekannte Kulturinstitution in meiner Nachbargemeinde aus:

Übersicht der Förderer des Windsbacher Knabenchors
Informationen von der Internetseite: https://windsbacher-knabenchor.de

Weitere Ansprechpartner für die lokale und regionale Fördermittelrecherche sind:

  • Kollegen aus benachbarten Social-Profit-Organisationen, Verbänden und Unternehmen
  • kommunale Ansprechpartner (Bürgermeister, Referenten, Behörden)
  • Finanzinstitute (Sparkassen, Volksbanken)
  • Pfarr- und Kirchengemeinden, Dekanate, Diözesen, Landeskirchen
  • lokale Medien und deren Archive
  • regionale Interessengruppen
  • lokale und regionale Dachorganisationen, Verbände, Netzwerke,
  • regionale Bündnisse und Gruppierungen
  • regionale Fördermittelverzeichnisse und Datenbanken

Schritt 3: Einsatz von überregionalen und thematischen Förderverzeichnisse und Förderdatenbanken

Wenn Sie sich einen Überblick über den regionalen Fördermarkt verschafft haben, erweitern Sie Ihre Recherche in örtlicher und thematischer Hinsicht. Es gibt glücklicherweise eine Vielzahl von Förderzusammenstellungen, Förderverzeichnissen und Förderdatenbanken. Zum einen aufgegliedert nach Förderbereichen:

Auf den Seiten der folgenden Institutionen lassen sich diese Recherchequellen finden:

  • Berufs- und Fachverbände (z. B. die Wohlfahrtsverbände)
  • Stiftungsverbände
  • Landesbanken, Förderbanken, Aufbaubanken
  • Beratungsstellen (Wirtschaftsförderung, Kulturamt)
  • Internetseiten der bekannten Förderinstitutionen und -programme

Das erwartet Sie im zweiten Teil unserer Artikelserie zur Fördermittelrecherche:

Nachdem wir uns im ersten Teil uns die schrittweise Vorgehensweise angesehen haben, stelle ich Ihnen im zweiten Teil die Tools vor, die ich in meiner Beratungspraxis am häufigsten nutze und zeigen Ihnen, wie eine Suche in der Praxis aussehen kann.


Unseres neues Angebot: Wir machen Sie fit in der Fördermittelrecherche


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